DER ANTEIL DES PAPSTES 587
kerkert waren, blieb den Gegnern wirklich nichts übrig, als dieschimpfliche Hinrichtung des Frate, um seine Anhänger voll-ständig zu lähmen und ihres inneren Haltes zu berauben. „Esfehlte freilich auch nicht an billiger Denkenden," so urteilte einguter Kenner 07 , „die meinten, die Berufung auf den Papst sei nurein Vorwand im Munde der Großen gewesen, um den Mann ausdem Wege zu räumen, der sich, mit Leib und Seele dem Gemein-wohle und der Volksherrschaft zugetan, den Schlichen wenigerwidersetzte, die ein so ersprießliches und dem Volke willkom-menes Werk zu untergraben trachteten. Mochte er sich nun auchnoch so sehr verfehlt haben, so hätte er doch, soweit er schuldigwar, eine mildere Strafe verdient. Allein damals wagte sich nie-mand zu rühren, da die Feinde der Frateschen die Oberhand hat-ten, verstärkt von den Freunden der Medici, die sich um derHinrichtung der Verschworenen willen vom Frate abgekehrt hat-ten".
Demnach liegt auf der Hand, daß der Tod des Frate den Arrab-biati und Compagnacci und nicht dem Papste zur Last fällt. Nichtals ob Alexander VI., wenn er den Propheten in seine Hände be-kommen hätte, glimpflicher mit ihm verfahren wäre. Die Borjaspflegten nicht viel Federlesens mit ihren Feinden zu machen,und die überschwengliche Freude, mit welcher der Papst dieNachricht von der Einkerkerung der Brüder aufnahm, die Be-reitwilligkeit, mit der er die Erlaubnis zu ihrer Folterung undDegradation gewährte, verriet, daß er gefährliche Widersacher inihnen sah. Wenn man die schönfärberische Vermutung aus-sprach 98 , er würde sich mit Gefängnis begnügt haben, so übersiehtman ganz, daß der Papst selbst von seiner Absicht, die ketzeri-schen Mönche nach ihrer Auslieferung in Rom hinrichten zulassen, kein Hehl machte". So gewiß nun auch der Papst denTod des Frate wollte und mitverschuldete, ebenso gewiß hätte erihn, eben weil er parteipolitisch bedingt war, selbst beim bestenWillen nicht zu verhindern vermocht. Schon im April, noch eheRomolin mit dem Todesurteile in der Tasche nach Florenz kam,stand es hier fest, daß der Frate die Stadt lebendig nicht mehrverlassen dürfe 100 . Allerdings fanden es die Florentiner für gut,die Schuld am Tode der Mönche dem Papste in die Schuhe zuschieben; dies taten sie jedoch erst, seitdem sie von Ludwig XII.zur Rechenschaft gezogen zu werden befürchteten 101 . In Wirk-