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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
582
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582 DAS ENDE

der von ihnen eingestandenen furchtbaren Verbrechen sollten sieauf der Stelle am Strange gehängt und verbrannt und dadurchvom Leben zum Tode gebracht werden; wieder war Ceccone mitnoch einem Notare zur Beurkundung beigezogen 66 . Eine Art höl-zerner Brücke führte von der Bühne der Acht in gleicher Höhemit ihr zum Scheiterhaufen. Auf ihr, die von Buben mit spitzenZäpfchen gespickt war 67 , schritten die Todgeweihten vor allerAugen dem Galgen zu. Hier angelangt, bat der Frate, man mögeihnen aus Gründen der Schicklichkeit das Hemd, wie schon be-merkt, ihr einziges Kleidungsstück, unten an den Füßen zusam-menbinden; es ward ihnen abgeschlagen 68 . Mit Tränen in denAugen bestieg Silvester als erster die Leiter. Der Henker legteihm den Strick um den Hals und stieß ihn sodann von der Sprosse.Da die Schlinge nur locker saß, so hatte er eine gute Weile zuleiden, beständig den NamenJesus" seufzend 69 . Als die Reihean Dominikus kam, winkte dieser seinen alten StudienfreundNerotto zu sich heran und beteuerte ihm noch im letzten Augen-blicke, als er fast schon mit einem Fuße auf der Leiter stand, diesichere Erfüllung der Weissagungen des Frate 70 . Silvester hingam einen, Dominikus am anderen Ende des Galgens; der Ehren-platz in der Mitte war dem Frate vorbehalten. Als er die Sprossender Leiter hinankletterte, betete er das apostolische Glaubens-bekenntnis und gab auf die Frage des Benediktiners, der ihmTags zuvor die Beicht abgenommen hatte, ob er nicht im letztenAugenblicke noch etwas zu sagen habe, zur Antwort: nein, dochmöge er für ihn beten und seine Anhänger ermahnen, sich anseinem Tode nicht zu ärgern 71 . Dieses stumme Sterben über-raschte die Menge aufs höchste. Sie betrachtete es als ein großesWunder, da sie noch bis ganz zuletzt Zeichen erwartet und nichtgezweifelt hatte, sicher werde er die Wahrheit jetzt noch beken-nen.Savonarola, jetzt ist es Zeit, Wunder zu wirken", hatte ihmnoch jemand zugerufen, als ihm der Henker die Schlinge umwarf 72 . Ganz besonders stießen sich, wie ein Augenzeuge ver-sichert 73 , an seinem Schweigen die Leute, welche die Ehre Gottes,den Anfang des christlichen Lebens, die Erneuerung der Kircheund die Bekehrung der Ungläubigen ersehnten; es erfüllte siemit Betrübnis, daß weder er selbst noch einer seiner Genossenein Wort der Entschuldigung sprach. Auch das fiel auf, daß es ausder zahllosen Menschenmenge niemand für angebracht hielt, im