DIE DEGRADIERUNG 581
Weihen durch Überreichung der hierzu erforderlichen Gewänderund Geräte unter den geeigneten Worten, so die Entziehung derWeihen durch Wegnahme dieser Gegenstände unter Anwendungder nötigen Formeln geschieht 58 . Die drei Mönche wurden dahermit den Kleidern und Sinnbildern der niederen und höherenWeihen versehen, die sie empfangen hatten, und mußten indieser Ausstattung, ganz als Wollten sie ihre heiligen Verrichtungenausüben, vor dem Weihbischofe Benedikt Paganotti erscheinen,der durch päpstliches Breve zur Vornahme der Entweihung be-auftragt war und mit vielen Domherren und sonstigen Geist-lichen auf einer Bühne gleich beim Tore des Palastes Platz ge-nommen hatte. Paganotti war selbst Dominikaner und ehemaligerMönch von S. Marco 59 ; er schätzte den Frate, und es war wohldie härteste Pflicht, die er in den vierzig Jahren seiner bischöf-lichen Würde zu erfüllen hatte, den frömmsten seiner Ordensge-nossen Stück für Stück ihrer geistlichen Zierden abnehmen zumüssen. Da Daumen und Zeigefinger beider Hände durchbischöfliche Salbung zur Vornahme der Konsekration geweihtwaren, so wurden sie nun mittels eines Glases oder Messers ab-geschabt und hierdurch entweiht; die den geistlichen Stand be-gründende Tonsur wurde von einem Bader durch völliges Weg-rasieren der Kopfhaare zerstört. Als Paganotti in begreiflicherAufregung statt der im Rituale vorgeschriebenen Formel 60 : „Ichscheide dich von der streitenden Kirche" „von der streiten-den und triumphierenden" sprach, verbesserte ihn der Fratesofort mit den Worten: „nur von der streitenden, nicht vonder triumphierenden Kirche, denn das vermagst du nicht 61 ."Die schauerliche Handlung 62 hatte zwei gute Stunden gedauert 63 ;es war Mittag 1 Uhr, als sie zu Ende war. Die Büßer wurden nunden päpstlichen Kommissären vorgeführt, die sie nach Verlesungihres Prozesses der Ketzerei, der Kirchenspaltung und derPredigt neuer Dinge für schuldig erkannten 64 ; dann fügte Romo-lin bei: „Seine Heiligkeit Alexander VI. hat die Gnade, euch voll-kommenen Ablaß eurer Sünden zu gewähren, euch in den Standder ersten Unschuld zurückzuversetzen und von der Strafe desFegfeuers zu befreien. Nehmet ihr sie an?" Sie bejahten durchVerneigen des Kopfes 65 . Sofort wurden sie durch Gerichtsdienerzu der Bühne geleitet, wo sich die Behörde der Acht befand, unterihnen Peter Parenti, der Chronist. Sie fällte das Urteil, auf Grund