DAS TODESURTEIL 677
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den Augen aller Verständigen ein zu ruchloses Verbrechen. Viel-mehr möge man ihn in sicherem Gewahrsam halten und mitFeder, Tinte, Papier und Büchern ausstatten, auf daß er zurEhre Gottes noch länger wirken könne 37 . Sofort erhob sichjedoch einer der Gegner, tadelte solch unangebrachtes Mitleidund machte auf die ungeheure Gefahr aufmerksam, welche ent-stünde, wenn der Frate etwa von einer späteren Signorie frei-gelassen würde. Wolle man sicher gehen, so bleibe nichts übrig,als ihn aus dem Wege zu räumen, dem Sprichworte gemäß:„Ein Toter führt keinen Krieg." Bis zuletzt hieß es allgemein 3 ",Dominikus, der lediglich in seiner Einfalt das Opfer des Frategeworden sei, werde mit dem Leben davonkommen, wofür sichselbst Gegner aussprachen. Noch in letzter Stunde setzten jedochzwei feindliche Bürger mit der Bemerkung: „Auf einen Mönchmehr oder weniger kommt es nicht an", auch seinen Tod durch,denn sonst sei zu fürchten, daß das Übel in kürzester Frist aufsneue ins Kraut schieße 39 . Dagegen regte sich zur Rettung Sil-vesters keine Hand; er hatte sich durch seine politische Wichtig-tuerei viel zu verhaßt gemacht, als daß er unter den Gegnerneinen Fürsprecher gefunden hätte. Auf die Nachricht, daß dasTodesurteil gefällt sei und am nächsten Tage vollstreckt werdensolle, erschien er wie gebrochen, während der Frate und Domini-kus die Kunde mit ruhiger Seelenstärke entgegennahmen 40 . AlsPrior von Fiesole verabschiedete sich letzterer nunmehr brieflichvon seinen Untergebenen mit der Bitte, seine Unterweisungen zubeherzigen, für ihn zu beten und seinen Leichnam vor derKirchentüre zu bestatten. Besonders mahnte er sie, in seinerZelle alle Schriften des Frate zu sammeln, sie binden und ab-schreiben zu lassen und teils in der Bücherei, teils im Speisesaalezu verwahren, jedoch an der Kette, um sie bei Tisch verlesen undauch den Laienbrüdern zugänglich machen zu können 41 . BeiAnbruch der Nacht wurden sie der Sitte gemäß an den Händenvon den Ketten befreit. Um ihr Seelenheil in Ordnung zu bringen,legten sie drei Benediktinern von der nahen Abtei ihre letzteBeicht ab 42 . Als man dem Frate hierauf das Abendessen vor-setzen wollte, wies er es mit den Worten zurück: „Ich will nichtessen, denn ich möchte morgen früh ruhigen Sinnes und ohneSorge um die Verdauung der Speise in den Tod gehen."
37 Schnitzer. Savonarola