576 DAS ENDE
vester und seinem Kanzler, dem Bruder Nikolaus von Mailand,habe er in Konzilssachen niemand ins Vertrauen gezogen; wirk-lich stellten sich Anzeichen dafür, daß eine Art Verschwörungoder doch eine Vereinbarung zwischen ihm und Angehörigen desrömischen Hofes bestanden habe, nicht heraus 31 . Große Mühegab sich Romolin ferner, ihn zu einem Geständnisse des Bruchesdes Beichtgeheimnisses zu bringen, den er seinen Untergebenen,besonders Silvester, zugemutet haben sollte. Die Äußerung,Christus sei ein Mensch wie alle anderen gewesen, bezeichnete erals Wahnsinn und als eine ihm von seinem Gegner, dem Franzis-kaner Dominikus von Ponzo, aufgebrachte Verleumdung 32 . DenMohammed habe er immer nur für einen törichten Menschen ge-halten; hätte er sich mit Betrug abgegeben, so hätte er sich einGottes würdigeres Unternehmen zugetraut und es besser alsMohammed angepackt, dessen Gesetz viehisch war 33 . Um zu er-klären, wie sich denn die kirchliche Rechtgläubigkeit des Fratemit den ihm zugeschriebenen Missetaten vereinbaren lasse, legteman ihm die Äußerung in den Mund: „Der Glaube an Christusund all das, was ich getan, schließt sich keineswegs aus, wie dasBeispiel des Teufels lehrt. Denn die Dämonen glauben undzittern" 34 . (Jak. 2, 19).
Nach Beendigung der Verhöre am Dienstage 22. Mai fand eineSitzung der Kommissäre und des bürgerlichen Gerichtshofes statt,in der beschlossen wurde, die Mönche am nächsten Tage zuhängen und dann zu verbrennen. Daß Savonarola sterben mußte,war längst eine ausgemachte Sache. Die Dinge waren, wie DoffoSpini später bekannte 35 , schon allzuweit gediehen, als daß sieein anderes Ende hätten nehmen können. Natürlich tat man, alssei das Urteil das notwendige Ergebnis der eben beendeten Unter-suchungen, obschon doch selbst ein so erfahrener und der Kurieso treu ergebener Kanonist wie Felinus Sandeus nachher jeder-mann, der es hören wollte, erklärte, weder er selbst noch sonstein Mitglied des höchsten kirchlichen Gerichtshofes hätten in denübersandten Akten etwas Ketzerisches finden können 36 . Zwarbeantragte Agnolo Niccolini, ein besonnener Mann, der weder zuden Freunden noch zu den Feinden des Frate zählte, man mögeein so helles Licht, das den Glauben, ja alle Wissenschaften,selbst wenn sie gänzlich erloschen wären, zu neuem Leben zuentzünden vermöchte, nicht gänzlich auslöschen, das wäre in