DER DRITTE FALSCHE PROZESS ,5j5
sich zum Geständnisse der vollen Wahrheit entschlossen. Dieseganze Erzählung trägt den Stempel der Verlogenheit an der Stirne;von der „Sanftheit" der Bürger legte sein gebrochener Armrühmliches Zeugnis ab. Diese Beobachtung allein genügt, umdas Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des dritten Prozessesgründlich zu erschüttern, was natürlich keineswegs ausschließt,daß er immerhin manche wertvolle Angaben in sich birgt.
Da Romolin auf seine Frage die gewünschte Antwort nicht er-hielt, so ging er zur Folter über, von der er auch an den beidenfolgenden Tagen, 2.1. und 22. Mai, fleißigen Gebrauch machte 28 .Allein die Widerstandskraft des Frate, dessen Glieder noch vonden früheren Verhören her zerrissen und äußerst empfindlichwaren, hatte die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit längst erreicht;es war daher kein Wunder, wenn er bekannte und widerrief,widerrief und bekannte 29 . Als man ihn auf Befehl Romolins fürdie Folter entkleidete, warf er sich im Angesichte der Marter-werkzeuge auf die Knie nieder und rief angsterfüllt aus 30 :„Wohlan, höret mich! O Gott, du hast mich gestraft! Ich be-kenne, daß ich Christus verleugnet habe, ich habe die Lüge ge-sprochen. Florentiner, ihr seid mir Zeugen, daß ich ihn ausFurcht vor den Foltern verleugnet habe. Wenn ich zu leidenhabe, so will ich für die Wahrheit leiden. Das, was ich sagte,hatte ich von Gott. O Gott, du strafst mich dafür, daß ich dichaus Furcht vor den Foltern verleugnet habe. Ich verdiene es."Als er ausgekleidet war, kniete er abermals nieder, zeigte seinengebrochenen linken Arm und rief beständig: „0 Gott, ich habedich verleugnet aus Furcht vor den Foltern." Am Seile in dieHöhe gezogen, seufzte er: „Jesus hilf mir, diesmal hast du michgestraft." Auf die Frage, warum er denn nun so gesprochen habe,erwiderte er: „Um gut zu erscheinen. Zerreisset mich nicht, ichsage euch die Wahrheit, gewiß, gewiß." Als man ihn dann wiederherabließ, sagte er: „Sobald ich die Folter sehe, gerate ich außermir. Wenn ich mich in einer Kammer mit wenigen friedsamenLeuten befinde, spreche ich besser."
Die Fragen, welche Romolin an ihn richtete, bezogen sich ganzbesonders auf das geplante Konzil sowie auf seine Beziehungenzu römischen Prälaten; namentlich kam der Kommissär immerwieder auf sein Verhältnis zum Kardinal Caraffa von Neapelzurück. Der Frate beteuerte mehrmals, außer Dominikus, Sil-