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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
572
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572 DAS ENDE

Heiligen Schrift auzeichnete, das Wort der Predigt auf deineZunge legte und dich zu einem der Großen in Mitte des Volkes be-stellte. Während du aber andere lehrtest, vernachlässigtest du dichselbst und verlörest so deine Weisheit. Weißt du nicht, daß Gottden Hochmütigen widersteht? Wie Luzifer fielst du; der du indeinem Herzen sprachest: ,Ich will in den Himmel steigen',fährst nun in die Hölle. Von Gott mit so vielen Wohltaten über-; häuft, wurdest du ob deines Hochmutes und deiner Eitelkeit zumÄrgernisse der ganzen Welt. — So hart mir die Traurigkeil aberauch zusetzte, ich erlag ihr doch nicht. Von Himmelsglanz um-flossen, kam mir die Hoffnung zu Hilfe und richtete mich auf.Nur der Tor spricht in seinem Herzen: ,Es gibt keinen Gott'(Ps. 13, 1). Obschon der Verzweiflung näher als dem Unglauben,schöpfte ich doch im Aufblicke zu Gottes Barmherzigkeit neuenMut und sang mit dem Psalmisten (26, 1 f.): ,Der Herr ist meinLicht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?' "

Der Frate hatte die ersten drei Psalmverse ausgelegt, als er dieFeder aus der Hand legen mußte. Er sollte sie nie mehr berühren.Es hatte eine Zeitlang den Anschein, als habe sich die Lage ge-bessert. Die Mönche von S. Marco begannen sich wenigstens zumTeile wieder zu fassen, selbst der Papst schien einigermaßen be-sänftigt. „Die Brüder", schrieb in jenen Tagen Jakob von Sizi-lien 11 , vom Ordensgenerale, wie erinnerlich, zum Generalvikareder römisch-tuszischen Kongregation ernannt, aber vom Frate alssolcher nicht anerkannt, und seither in Fiesole als einfacher Bru-der untergebracht, „die Brüder erfreuen sich, obschon ihresHauptes beraubt, noch immer großer Gunst und hoher Verehrungund erhalten Almosen in Fülle, so daß sich viele, die zuvor Gegnerwaren, nunmehr bekehrt haben und ihnen wohlwollen. Über denFrate Hieronymus wurden mir heute Dinge berichtet, auf Grundderen man sich an ihm nur erbauen kann 12 , und die von Laien undso manchen anderen als staunenswert erachtet werden. Anderer-seits sind die Brüder, gelehrte wie ungelehrte, das Frühere mit demFolgenden zusammenhaltend, entsetzt, viele erstarken dagegennur noch mehr und geben die Hoffnung, den Glauben an seinePredigt und die Anhänglichkeit an ihn nicht auf. Zu ihnen gehöreich, doch stets nur in Dingen, die Gott gemäß sind. Die Bürger,die im Palaste verhaftet waren, wurden freigelassen. Der Papstwill, wie es heißt, seinen Tod nicht. Die Bürger wissen noch nicht,