5-jo DAS ENDE
vor dem die Engel nicht bestehen, erforschte er sein Inneres, und'. er fand manche Schuld. Er überraschte sich bei Regungen derEitelkeit, der Selbstgefälligkeit, des Stolzes, des Hochmuts. Mit(U*j< A.--f f~y den Füßen an den Block gefesselt, die Hände in schwere Kettengezwängt, auf dem Boden ausgestreckt, ein Häufchen Elend, er->_» schrak er. beim Gedanken an die Größe der Entwürfe, die er nochvor wenigen Wochen ausgearbeitet hatte, vor sich selbst, vor derKühnheit seiner Pläne, vor der Vermessenheit seiner Absichten,und dachte zerknirscht an die vielen Seelen, die an seinem Vor-haben und Auftreten Anstoß genommen haben mochten. Aberauch die Kirche trat in ihrer ganzen Blöße und Erniedrigung vorseinen geistigen Blicken auf, wie sie einst schon dem Jüngling er-schienen war, und erinnerte ihn an die unabwendbare Notwendig-keit ihrer Verjüngung. Furcht und Hoffnung, Vertrauen auf Gottund Verzweiflung rangen in ihm. Wieder war es die HeiligeSchrift, die ihm wie stets Stab und Stütze, Licht und Leuchte war.Er versenkte sich in Betrachtungen über den Psalm (50) Miserere,die er.sofort zu Papier brachte 8 . „0 ich Unglücklicher," rief erhier aus, „von aller Hilfe Entblößter, der ich den Himmel und dieErde beleidigt habe, wohin soll ich mich wenden? Zu wem meineZuflucht nehmen? Wer wird sich meiner erbarmen? Zum Him-mel wage ich meine Augen nicht zu erheben, denn ich habe michschwer wider ihn versündigt. Auf Erden finde ich keinen Unter-schlupf, denn ich war ihr ein Ärgernis. So flehe ich denn traurigund jammernd zu dir, o Herr: ,Erbarme dich meiner, o Gott,nach deiner großen Barmherzigkeit!' ,Ein Abgrund ruft den an-deren an' (Ps. 41, 8), der Abgrund des Elends den Abgrund derBarmherzigkeit, der Abgrund der Sünde den Abgrund der Gnade.Erbarme dich, o Herr, nicht nach deiner kleinen Barmherzigkeit,die nur den körperlichen Leiden zu Hilfe eilt, sondern nach dei-ner großen Barmherzigkeit, die den Menschen durch die Gnadeüber die Erde erhebt. Alle Gerechten sind ja nur lebendige Er-weise deiner Barmherzigkeit, denn nicht auf Grund ihrer eigenenTugend erlangten sie das Heil, nicht auf Grund ihrer Verdiensteoder ihrer Werke, sondern einzig und allein, weil es dir so gefiel.So verstoße denn auch mich nicht von deinem Angesichte, vordem ich Tag und Nacht seufze und weine! Laß mich nicht zu-schanden werden, guter Jesus, denn du bist allein meine Hoff-nung, nur dich allein habe ich noch, meine Brüder und Söhne ver-