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1 (1891) Diktatstenographie
Entstehung
Seite
24
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Was heifst und zu welchem Zweck studiert man Universalgeschichte.Eine akademische Antrittsrede von Schiller.

Erfreuend und ehrenvoll ist mir der / Auftrag, meine Herren, an Ihrer Sei//tekünftig ein Fehl zu durchwandern, das / dem denkenden Betrachter so viele//Gegen-stande des Unterrichts, dorn thä/tigen Weltmann so herrliehe Muster/ zur Nachahmung,dem Philosophen so/wichtige Aufschlüsse und jedem oh//ne Unterschied so reiche Quellendes / edelsten Vergnügens eröffnet das // grofse weite Feld der allgemeinen / Geschichte. 10.iDer Anblick so vieler vor//freiflicher jungen Männer, die eine / edle Wifshegierde ummich her ver//sammelt, und in deren Mitte schon man/ches wirksame Genie für daskommen//de Zeitalter aufblüht, macht mir meine Pflicht / zum Vergnügen, lftfst mich aberauch // die Strenge und Wichtigkeit derselben / in ihrem ganzen Umfange empfln//den. ^00Je grÖTser das Geschenk ist, das ich / Ihnen zu übergeben habe und was hat // derMensch dem Menschen Gröfseres / zu geben als Wahrheit"? desto mehr mufs // ichSorge tragen, dals sich der Wert des/seihen unter meiner Hand nicht verrin//gore. Jelebendiger und reiner / Ihr Geist in dieser glücklichsten Epo//che seines Wirkens em-pfängt und je ra/scher sieh Ihre jugendlichen Gefüh//le entflammen, desto mehr Aul- 300forder/ung für mich, zu verhüten, dafs sich die//ser Enthusiasmus, den die Wahrheit/allein das Hecht hat, zu erwecken, an // Betrug und Täuschung nicht unwürdig ver-/schwende. Fruchtbar und weit umfassend ist // das Gebiet der Geschichte; in ihrem/Kreise liegt die ganze moralische// Welt. Durch alle Zustände, die der Mensch / erlebte,durch alle abwechselnde // Gestalten der Meinung, durch seine Thor/heit und seine 4.00Weisheit, seine Vers chlim//m erring und seine Veredelung be/gleitet sie ihn, von Allemwas er sich /,.' nahm und. gab, mufs sie Rechnung ah/legen. Es ist keiner unter Ihnenul//len, dem Geschichte nicht etwas wichti/ges zusagen hätte, alle noch so// verschie-denen Bahnen Ihrer künfti//gen Bestimmung verknüpfen sich irgend//wo mit derselben; 500aber Eine Be/stimnvung teilen Sie alle auf gleiche // Weise miteinander, diejenige.,'welche Sie auf die Welt mitbrachten sich // als Menschen auszubilden und zu dem/Menschen eben redet die Geschichte.// Ehe ich es aber unternehmen / kann, meineHerren, Ihre Frwartun/'gen von diesem Gegenstände Ihres / Fleifses genauer zu bestim-men und fj die Verbindung anzugeben, worin / derselbe mit dem eigentlichen Zwe//cke tJ00Ihrer so verschiedenen Studi/en steht, wird es nicht überflüssig sein, // mich über diesenZweck Ihrer Studi/en seihst vorher mit Ihnen einzuver//s teilen. Eine vorläufige Berich-tigung dieser Frage, welche mir pas//sond und würdig genug scheint, unsere / künftigeakademische Verbindun//gen zu eröffnen, wird mich in den Stand / setzen, Ihre Aufmerk- 700samkeit sogleich // auf dio würdigste Seite der Weltge/schichte hinzuweisen. Andersist der // Studierplan, den sich der Brotgelehrte, // anders derjenige, den der philoso-phische Kopf sich vorzoiehnet. Jener, / dem es hei seinem Flcil'so einzig und al//leindarum zu thun ist, die Bodingun/gen zu erfüllen, unter denen er/zu einem Amte fähig, 800und der Vor/teile desselben teilhaftig werden // kann, der nur darum die Kräfte seines/Geistes in Bewegung setzt, um dadurch//seinen sinnlichen Zustand zu verbes/sern undeine kleinliche Ruhmsucht zu // befriedigen, ein Solcher wird hei sei/nem Eintritt inseine akademi//sohe Laufbahn keine wichtigere An/gelegenheit haben, als die Wissen-// !X)0schalten, die er Brotstudien nennt, von /allen übrigen, die i\on Geist nur als // Geist,vergnügen, auf das Sorgfältigste / abzusondern. Alle Zeit, die er die//sen letzteren wid-mete, würde er / seinem künftigen Berufe zu ent//ziehpn glauben und sich diesen Raubnie / vergehen. Seinen ganzen Fleils wird er nach //' ihm Forderungen einrichten, die/von dem künftigen Herrn seines Schicksals // an ihn gemacht werden, und alles ge/than 1000zu haben glauben, wenn er sich fä//hig macht, diese Instanz nicht zu fürchten. / Hater seinen Kursus durchlaufen und // das Ziel seiner Wünsche erreicht, so ent/läfst er