VII
Übung. 250 Silben in der Minute ist schon eine gute Schnelligkeit und demVerfasser sind manche Stenographen bekannt, welche diese Schnelligkeitnoch nicht beherrschen und doch den Ruf guter Praktiker geniefsen. Beidieser Schnelligkeit schreibt man aber nicht schneller, wie ein Kurrent-schreiber bei sehr guter deutlicher Schrift. Bei flotter, aber noch sehrdeutlicher Schrift schreibt man in gewöhnlicher Schrift 300 bis 350 Schrift-züge in der Minute. Die stenographische Debattenschrift erfordert durch-schnittlich für je eine Silbe % Schriftzug. Man braucht also die stenogra-phische Debattenschrift nicht schneller zu schreiben, als deutliche gewöhn-liche Schrift um die grofse Schnelligkeit von 400 Silben in der Minute zuleisten, welche in der Praxis nie vorkommt. Es ist vorteilhaft einen Satzin stenographischer Debattenschrift so lange wiederholt zu üben, bis mandenselben so schnell wie gewöhnliche Schrift zu schreiben vermag.
Auf das Schönschreiben mufs neben dem Schnellschreiben grofserWert gelegt werden, namentlich auf die richtigen Gröfsen- und Höhenver-hältnisse der Zeichen. Dies ist die Grundlage für das Schnellschreiben; diegute Lesbarkeit der Schrift ist dadurch bedingt. Als bestes Schreibmaterialsind unbedingt die Goldfedern zu empfehlen. Dieselben haben vor dembesten Bleistift, abgesehen davon, dafs sie auf die Dauer billiger sind, grofseVorzüge. Die Goldfeder gleitet leicht und glatt übers Papier, die elastischeSpitze giebt dem Druck der Hand leicht nach und ermöglicht deutlichsteUnterscheidung der verstärkten Züge ohne besondere Ermüdung für dieHand. Die Tintenschrift ist leichter und sicherer lesbar und strengt dasAuge weniger an, was bei den Berufstenographen ganz besonders in Be-tracht kommt, da diese häufig bei künstlichem Lichte zu arbeiten genötigtsind. Die Goldspitze bleibt stets genau gleich spitz und gleich elastischund die Hand gewöhnt sich schneller an das stets gleiche Material. DieFeder schützt auch leichter vor dem schlimmen Fehler des zu starkenAufdrückens und krampfhaften Schreibens, zu dem der Bleistift leicht ver-führt. Der einzige Nachteil der Goldfeder, dafs sie zum Mitführen einesTintenfasses zwingt, ist heute, wo es so vorzügliche, unbedingt zuverlässigeGoldfüllfedcrn giebt, beseitigt.
Sobald man eine Schnelligkeit von etwa 150 Silben erreicht hat, ver-suche man sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Nachschreibenwirklicher Reden. Am besten thut man dies zu zweien oder dreien, umdann die Stenogramme gemeinschaftlich wieder zu lesen. Wer Gelegenheithat, neben tüchtigen Praktikern zur Übung mit zu schreiben, versäumedies nicht. Wenn man bei einem Redner nicht mitkommen kann, so gebeman das Nachschreiben nicht ganz auf, sondern schreibe soviel wie mög-lich mit, jedoch soweit thunlich, im Zusammenhange, d. h. unter der Fest-haltung des Gedankenganges.
Berlin, im August 1801.
Der Verfasser.