— 25 —
dor Sache freie Entwickelung lassen, diese Entwickelung aber in jeder möglichenWeise, durch Überlassung von Klassenzimmern u. s. w. fördern, sehe es abernicht als ein Übel an, wenn keines dor Systeme die ausschliofslicheHerrschaft habe". 1873 lehnte der Kultusminister wiederum, nachdem erdas Gutachten dor Schulmänner eingeholt, sowohl die pfliohtige, wio die wahl-freie Einführung der Kurzschrift in die Schulen ab. 1884 erfolgte eine neue,und die bisher lotete Prüfung- der Stenographiefrage durch die Regierung-. Umnicht durch den Schein anzustofsen, als wäre ihre Schrift noch nicht abgeschlossen,hatten die Stolzeschen ihre Einzeiligkeitswünsche zurückgestellt, waren auf demGabelsbergerschon Stenographentage zu Berlin alle Änderungsanträge zurück-gezogen worden. Trotz der so genugsam bekundeten Vollkommenheit dieserSchriftarten erklärte dor Regierungsvertreter im Juli 18SG: „Nirgendwo ündetder Unterricht in der Stenographie an den Direktoren ein Hindernis, an allenhöheren Schulen ist er zugelassen. Aber was ist dadurch erreicht worden?Hierüber ist ausnahmslos die Nachricht gegeben und durch Ziffernerwiesen, dafs unrein minimaler Prozentsatz von denjenigen Schillern,welche an dem Unterricht teilgenommen, soweit gelangt ist, dafs er von derStenographie einen entlastenden Gebrauch machen kann, dafs hingegen dieganz unvergleichliche Mehrzahl nur bis zu dem Stadium kommt, aufwelchem die Übertragung der gewöhnlichen Schrift in die stenographische fürsie eine Anstrengung und eine vollständige Ableitung von der Sacheist.' 1 Dabei ist es bisher geblieben. Siesehen, die Ablehnung der preufäischenRegierung beruht nicht nur auf pädagogischen Bodenken, sondern anfangs auchauf der Unfertigkoit der Kurzschrift und zuletzt auf dor zahlenmä l'sig nach-gewiesenen Fruchtlosigkeit des Unterrichts in den Schriften Babelsbergersund Stolzes. Diese Werke, die ihrer weiten Verbreitung wegen dor Regierungals die einzigen Verkörperungen deutscher Kurzschrift erschienen und es jaauch inhaltlich zu ihrer Zeit waren, genügten eben den Anforderungen derNeuzeit nicht mehr in dem erforderlichen Mafsc. Diese Schriften verschuldenes zu ihrem Teil, dafs in dieser Zeit der Verallgemeinerung der Kurzschriftdie Schule in weiten Gebieten unseres Vaterlandes, vor allem in Proufsen, sichnoch von ihr zurückhält und ihr zweifelnd gegenüber steht.
Und so ist es nicht nur auf dem Gebiote dor Schule, sondern auch inanderen Zweigen des Staatsdienstes. Um ein Beispiel aus der Reichsverwaltunganzuführen, wollte der Goneralpostdiroktor Stephan 1874 die Stenographiedem Postbetriebe dienstbar machen: ein ungeheures Machtmittel zu ihrerVerbreitung, wäre es gelungen. Dafs es nicht gelang, verschulden die SchriftenBabelsbergers und Stolzes. Denn Direktor Stephan kannte die StolzoscheKurzschrift personlich und erklärte unter dem 24. Dezember 1874 amtlich,diese müsse erst eine für die Zwecke des technischen Postbetriebes