110 Histor. Handschriften in Quarto Nr. 261.
261.
Perg., XIII. Jahrh., 18 Pergamentblätter mit den Seitenzahlen1 — 30 und ein Fragment von einem solchen, vorn und hinteneingeschlossen durch zahlreiche unbeschriebene und unpaginiertePapierblätter. Von den Pergamentblättern sind ausgefallen: eineszwischen S. 8 und 9, zwei zwischen S. 22 und 23. Holzbd
mit Lederüberzug.
Nach einem Eintrag auf der Innenseite des vorderen Deckels gehörte der Kodex imJ. 1611 noch dem Kloster Obermarchthal, dann lag er lange unbeachtet in einer ober-schwäbischen Pfarrregistratur, bis Pfarrer Worte von Unterwachingen seinen Werterkannte; dieser iiberliess denselben seinem Kollegen Schüttle in Seekirch zur Editionund verkaufte ihn später an die k. öffentl. Bibliothek.
Historia monasterii Marchtelanensis.
Diese Geschichte des Prämonstratenser-Chorherrnstifts (Ober-)March-
thal begann ein dortiger Ordensbruder Walter um 1215 und führte sie,mehrmals frisch ansetzend, bis 1229. Ein anderer, Kanonicus 11. (lleu-ricus?) schrieb sie im J. 1300 zu Ende. Zwischen beiden Teilen füllteein Dritter die Lücke auf S. 26 mit ((/leichzeitigen) Aufzeichnungen überdem Stift zustehende Zehnten aus.
Die Klosterchronik nimmt die Seiten 3—34 ein. Auf dem vorneeingehefteten Blattfragment sowie auf S. 1 und S. 35 entdeckte WaitzBruchstücke der Historia Wclforum mit der Coutiutiatio Steingademensis,wie solche durch Fol. nr. 359 hei uns repräsentiert ist (s. Neues Archivder Ges. für ältere deutschte Gesch. 4, 166 f.); endlich findet sich auf 8. 2und S. 36 eine Diatribe über Verfall und Blüte der Klöster. Beide sindgeschrieben von dem Fortsetzer der Chronik Marchthals.
Unter dem Titel: „Liber fundationis seu Annales ecclesim Marchtallensis"brachte Joh. Ev. Schüttle die Chronik erstmals im J. 1869 zum Druck im Frei-burger Diöcesanarehiv Bd. 4 S. 149-209, indem er noch das auf S. 35 stehendeStück der Historia Welforum und die eben erwähnte Diatribe hinzufügte underläuternde Anmerkungen beigab. G. Waitz edierte sie wieder 1879 in denMonum. Germ. hist. SS. M p. 660 — 683 (ohne die ihr fremden Zuthaten). Vergl.Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen S. Aufl. 2, 300 ff.