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Siedlungsarten in den Hochalpen
Entstehung
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428 Ferdinand Lövvl, [30

zutraut, kann sich durch die Untersuchung des Rundhöckerwalleszwischen Kaiser und Aschbach von dem glacialen Ursprünge desSöldener Beckens überzeugen; wer die entgegengesetzte Ansicht ver-tritt, muss darauf verzichten, diese Thalform zu erklären. Dass dieBrandschlucht und das Gebiet von Sölden bereits vor dem Eintritteder Vereisung in den Hauptzügen fertig waren, dass das letztere schondamals eine Thalweitung bildete, soll nicht in Abrede gestellt werden.Es handelt sich aber auch nur um die Entstehung des Flachbodens,dessen Abschluss weder durch einen Schuttkegel noch durch einenBergsturz, sondern durch einen Felsriegel bewirkt wurde. Die örtlicheAnlage zur Beckenbildung war insofern gegeben, als die Arbeitskraftdes grossen Oetzthaler Ferners durch die Stauung beim Eintritte indie Söldener Thalstaffel und durch den Zufluss aus dem WindacherThale beträchtlich gesteigert werden musste.

Sölden ist ein grossartiger Schauplatz der glacialen Erosion.Breitet der Nebel seinen Schleier über die waldigen Berghänge, sokönnte man sich an manchen Stellen, wie am Ausgange des WindacherThaies oder der Kühtrainschlucht, in eine vom Inlandeise säuberlichabgeschabte, alles Oberflächenschuttes entkleidete Rundhöckerlaudschaftdes hohen Nordens versetzt wähnen. Ueber den fast wagrechten Gais-lacher Querriegel, der das Becken im S. abschliesst, wälzten sich dievereinigten Eisströme des Gurgler und Venter Thaies herüber. IhreSpuren reichen an den Bergflanken bis zu einer Höhe von 2500 und2600 m empor. Das anstehende Gestein tritt überall in Rundbuckelnzu Tage und ist obendrein an vielen Stellen, namentlich auf der Höhedes Riegels, mit ganz frisch erscheinenden Schrammen und Schliffenbedeckt. Wie Schnittwunden klaffen die Schluchten, welche derWindauer Bach und die Oetz nach dem Rückzuge des Gletschers indem glatt gescheuerten, höckerigen Felsgrunde ausspülten. Der Gegen-satz zwischen Wasser- und Gletscherwirkung tritt hier mit der grösstenSchärfe hervor.

Becken von Sölden.

Länge 4.5 km, Siedelungsgürtel 1300—1500 m, Bewohnerzahl 649 oder 144

auf 1 km.

Halden-Siedelungen 27 Bewohner oder 4.1 °/o

Schuttkegel-Siedelungen 204 „ „ 31.4 „

Becken- „ 116 ,, ,, 18 „

Hang- „ 302 „ „ 46.5 „

In Oetz wohnen 31°/o, in Umhausen 20.6%, in Längenfeld 5°/o, inSölden — 46.5 °/o der Bevölkerung auf den Hängen. Dieser Rückfallbefremdet auf den ersten Blick. Er bildet eine Ausnahme von derRegel, nach welcher die Leisten- und Hang-Siedelungen auf dieuntersten Abschnitte der Thäler beschränkt sind. Doch an Ort undStelle löst sich der Widerspruch. Die Hang-Siedelungen des SöldenerBeckens — Granbichl und Windau an der Mündung des WindacherThaies, Platten, Moos und Pitzen im Hintergrunde des Beckens, end-lich Wald und die ganze Schar der Söldener Berghöfe — liegen samt