43] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 199
den Namen Reimann auf Rinman, den rheinischen Mann, zurück-zuführen '), so besässen wir bei der ungemeinen Verbreitung diesesFamiliennamens in Schlesien einen starken Beleg für die rheinischeEinwanderung. Aber Reimann darf mindestens mit selbem Recht aufeinen mit rein = regin zusammengesetzten Namen als Koseform ge-bracht werden. Raynman, Reynman erscheint schon in den CorveyerTraditionen.
Ein angesehenes Breslauer Biirgergeschlecht waren die seit 1252auftretenden de Coloniä oder die Co In er.
1288 findet sich ein Dietericus Saxo; 1263 ff. ein Conradus West-falus samt dem Sohn Hermann als Breslauer Bürger. Im RegistrumWratislaviense werden zu Kattern Söhne eines Westphalo angeführt.
Der Beiname Su evu s erscheint unter den Herzögen Heinrich III.und IV. von Breslau mehrmals als Zuname adeliger Männer. EinSwäp aus Münsterberg besass um 1300 Hufen im Neisseschen undOttmachauschen.
Aus diesen vereinzelten, als Beinamen verwendeten Volksnamen, ,die in den Familien erblich wurden, auf eine breitere Einwanderung "aus Oesterreich, Bayern, Thüringen. Köln, Sachsen, Westfalen oderSchwaben nach Schlesien schliessen zu wollen, selbst wenn sie weithäufiger wären als wir belegen konnten, wird schwerlich jemand thun.Sicher werden wir durch sie in Beantwortung der Heimätfrage nichtgefördert. . . ■
Aber es gibt vielleicht andere Mittel.- Bei den Aussetzungen der deutschen Dörfer und Städte werdenre6ht häufig als Ackermass flämische oder fränkische Hufen urkund-lich angeführt. 500 grosse Hufen fränkischen Masses in Wald undGebirge schenkte zum Beispiel Herzog Heinrich' I. 1203 dem KlosterLeubüs in der Gegend südlich von Goldberg. Derselbe gab 1237 denNaumburger Augustinern 50 fränkische Hufen und verwandelte die-sem Kloster früher geschenkten kleinen Hufen in ebensoviel grosse,d. i. fränkische. 1252 setzte der Meister des Elisabethhospitals inBreslau das Dorf Coyacowiz 2 ) bei Kreuzburg zu fränkischem Rechtaus und verlieh zwölfjährige Steuerfreiheit für jede Hufe, die erst imWalde gerodet werden musste, vierjährige für die Hufe im Bauland.Aus dieser Urkunde s ) ergibt sich, dass die Waldhufen fränkische waren.
In gleicher Art werden fränkische Hufen oft genannt 4 ).
Dagegen kommen bei Aussetzungen anderer Dörfer und den Zins-bestimmungen flämische Hufen (mansi flamingici) oder kleine Hufenebenfalls oft vor 5 ).'
Stenzel hatte bereits ausgeführt, dass die Ausdrücke fränkischeund flämische Hufen in Schlesien keine andere aLs eine Massbedeutunghaben. Die fränkische Hufe ist die grosse, etwa 140—150 Morgen
1 ) Vom deutschen Sprachunterricht III. Aufl., S. 120. Leipzig 1887.
2 ) Heute noch polnisch Coyacowice, deutsch Kunzendorf.
3 ) Gedruckt be' Stenzel Nr. XL
4 ) Vgl. Stenzel, Urkundensaraml. S. 143 ff., 158 ff.; Meitzen im Cod.dipl. Sü. IV, 77. 85.
s ^ Stenzel a. a. O. 141 f.; Meitzen 80 ff.. 86.