33] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 189
Ganz polnisch: Auchwitz,' Beneschau, Bielau, Biskau, Bobrownik,Bolatitz, Boleslau, BoruTih (Borzucin), Buslawitz, Cosmütz, Deutsch-Crawarn, Gross- und Klein-Darkowitz, Dirschel, Elgot, Hatsch, Henner-witz, Hosczialkowitz, Klein-Hoschütz vierter Anteil, Alt-Hratschin, Jernau(Tarniow), Kauten (Kuta), Koblau, Kobirowitz, Dorf Kranowitz, Kuchelna,Leisnitz, Liptin, Ludgerschowitz, Nassiedel, Deutsch-^Neukirch, Owczitz,Schlesiscb- Grosspeterwitz, Pyschz, Rochow, Schiausewitz, Strandorf(Strachowice) -f Wrbkow ; , Wrzessin, Zabierzau, Zawade. Es sind dar-unter mehrere Dörfer, die später zum Ratiborer oder Neustadter Kreisegeschlagen wurden.
In diesen hier ausgezogenen Mitteilungen A. Fr. Zimmermannswird wohl für manche das überraschendste sein, dass gegen Ende des18. Jahrhunderts selbst 1 auf der deutschen Seite im Breslauer, Ohlauerund Strehl^ner Kreise das Polnische nicht erloschen war. Rothstirben,Kattern und Domslau erscheinen als die am weitesten gegen Westenvorgeschobenen Posten des Slavischen.
Aber selbst über Domslau hinaus bis gegen die unterste Weistritzwar das Polnische im Anfange des 19. Jahrhunderts noch bekannt.
Als Frau Charlotte v. Stein, Goethes Freundin, im Jahre 1803ihren Sohn Fritz auf seinem Gute Strachwitz, nordwestlich von Gross-Mochbern im Breslauer Kreise gelegen, besuchte, schrieb sie den 9. Maian ihre Freundin Charlotte v. Schiller '): „ Gestern sah ich, es warSonntag und sehr gut Wetter, eine Menge junger Mädchen Arm inArm spazieren gehen und hörte sie immer im Chor singen. Ich winktesie herbei; sie wussten eine unzählige Menge Volkslieder, aber in derNähe wollten sie nicht singen, -ienn die Jungen, die nicht weit davonKegel schoben, würden sie auslachen. Ich ging also mit ihnen dieAllee hinunter, und nun war es der Lieder kein Ende, und Stimmen,aus denen man hätte etwas machen können! Sie sangen auch polnischeLieder. Die Mädchen waren von zwölf, dreizehn und sechzehn Jahren."
Oberflächliche Angaben über den Sprachenstand in Schlesienmachte 1821 der polnische Sprach-und Geschichtsforscher Bandtke ineinem Aufsatz: Wiadomosci o jezyku Polskim w Slasku i Polskich Slaza-kach" in der „Mrdwka Poznahska" 2 ). Er schrieb, dass die OstrawizaPolen und Mähren, die Oppa Polen und Deutsche scheide. Die alteGrenze der Fürstentümer. Oppeln und Neisse sei auch die Sprachgrenze :Oppeln sei polnisch, Neisse deutsch.
Im Fürstentum Brieg trenne die Oder Deutsche und Polen. ImBernstadter Weichbild, im Namslaüer Kreise, in den HerrschaftenWartenberg und Militsch herrsche die polnische Sprache. Die Weide(Widawa) sei ehemals Grenzfluss zwischen Polen und Deutschen ge-wesen, jetzt aber nicht mehr. '
Aus dem südlichen Breslauer Kreise nennt er Silmenau (Sulmiow),Rothsürben 3 ) (Zorawina), Wiltschau (Wilczejöw) und Kattern (Katarzyna)
a ) Charlotte v. Schiller und ihre Freunde II, 347 f. Stuttgart 1862.
2 ) I, 231-244; II, 48-68.
3 ) In Rothsürben starb 1860 ein alter Mann, der als Kind im Dorfe nochgut polnisch gelernt hatte. Schles. Provinzialblätter 1865, S. 435.
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. II. 3. 13