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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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271 Die Verbreitung und die Herkunft der Deutsehen in Schlesien. 183

Landesfürstliche und selbst kaiserliche Briefe bestätigten sie bier im16., 17. und 18. Jahrhundert wenigstens für vermögensrechtliche Sachenund Handlungen freiwilliger Gerichtsbarkeit, wenn sich auch fortwährendBeschwerden der landesfürstlichen Aemter über sie ergaben und Ver-weise und Beschränkungen- für die Zauden zur Folge hatten. Mit derpreussischen Besitzergreifung haben sie ihr Ende gefunden.

Ist nun auch bei diesen alten Adelsgerichten nachweislich diedeutsche Sprache, wenigstens in allen schriftlichen Verhandlungen, inihren letzten Jahrhunderten üblich gewesen, so ist doch bedeutsam,dass die sechs letzten Zaudenbezirke an der polnischen Sprachgrenzeliegen oder auch, wie Glogau, Wojh lau, Herrnstadt, noch polnische SDörfer enthielten. Darum haben wir ein Recht, die Geschichte derZaude mit der Geschichte der Sprachverhältnisse in Schlesien zusammen-zubringen und sie namentlich für das Festhalten des alten eingeborenenAdels am polnischen Brauche der Vorfahren zum Zeugen zu nehmen. V

In dem Strehlenschen und Münsterbergschen, wo die Zaude nach-weislich noch bis Ende des 15. Jahrhunderts, wenn nicht bis später,bestund, gab es gleichzeitig auch noch eine polnische Bevölkerung,In der Stadt Strehlen ist bis 1616 in der St. Gotthardskirche polnischgepredigt worden; sie hiess deshalb die polnische Kirche 1 ).

Bis Ende des 18. Jahrhunderts lagen zwischen Strehlen undWansen mehrere polnische Dörfer. Die Polnische Gasse hat bis zurGegenwart die Erinnerung an diese Zustände erhalten.

Im Münsterbergschen Weichbild war es nicht anders. Die pol-nische Predigt hat hier in vielen Kirchen bis 1683 gedauert.

Das Ohlische, Briegische und Breslauische waren im 17. Jahrhun-dert auch auf der linken Oderseite noch überwiegend polnisch. Für dieevangelischen Polen, die hier, sowie im Namslauischen und im Fürsten-tum Oels, ferner in den Herrschaften Militsch und Trachenberg sassen,gaben fünf Breslauer Prediger 1673 ein polnisches Gesangbuch heraus,das 1717 von Rohrmann, 1776 von Bockshammer, 1859 von FiedlerUnd Plaskuda neu bearbeitet worden ist und neben dem sich zweiandere, das Kauernsche von Naglo und das von Chuc, im Gebrauche dersehr sangesfreudigen evangelischen Polen verbreitet haben.

Als Agende war in den evangelischen polnischen Kirchen eineUebersetzung der Oelser Agende von 1593 eingeführt (Brieg 1664,.neue Auflage Brieg 1715).

Für die Mischung "der Bevölkerung im Fj : rstejat^um^^ojilau inder ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kann die Homähnsche Kartedes Fürstentums von 1736 als Zeuge dienen. Den Titel umgeben hierin Kupfer gestochen einige Figuren: ein Edelmann und ein Bürger,nach ihrer Tracht Polen, und ein deutscher Bürger stehen, sichFreundschaft schwörend, nebeneinander, während ein polnischer Bauerals Rinderhirt seitwärts steht. Damals hat also das Polnische im Wohlau—*ischen Fürstentum noch stark überwogen und selbst in den Städten sich u-sehr bemerkbar gemacht.

') Zimmermann, Beiträge I. 1, 19.