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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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27] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 173

Ich möchte die Ziffer für zu hoch halten. Da im 14. Jahrhundertschwerlich noch irgend erhebliche Nachschübe kamen, handelt es sicheigentlich nur um die Einwanderung des 12. und 18. Jahrhunderts.Diese aber mit einiger Sicherheit zu bestimmen, hindert die Ueber-tragung deutscher Ackerwirtschaft und Dorfverfassung auf ganz pol-nische Ortschaften. Wir sind also nicht imstande, die Zahl der Dörfer,die nicht bloss nach dem Recht, sondern auch nach Herkunft der Be-wohner deutsch sind, zu bestimmen und damit fehlt die Unterlage derBerechnung.

Wenn von anderer Seite die heutigen deutschen oder deutschklingenden Ortsnamen zur Grundlage einer Zifferaufstellung für dieEinwanderung gemacht wurden, so ist das entschieden zu verwerfen,da der heutige deutsche Name oft ein jüngeres Erzeugnis ist. Ueber-setzungen und Umbildungen haben hier sehr stark eingegriffen 2 ).

Wir können leider die Geschichte der Germanisation Schlesiensnicht ausreichend und eingehend entwerfen, da die Mittel dafür nichtgenügen. Indessen dürfen wir wohl mit einiger Sicherheit behaupten,dass die Städte am Gebirge vom Queiss bis Leobschütz in der zweitenHälfte des 13. Jahrhunderts deutsch waren, und dass auch in den an-deren Städten Nieder- und Mittelschlesiens auf der linken Oderseitedas Deutsche in dem angesessenen Bürgerstande überwog.

Selbst Ratibor, das doch bis heute von einer polnischen Land-bevölkerung umgeben ist, weist 1293 nur deutsche oder biblischeNamen der Kaufleute auf, und das ebenfalls ins Politische eingebetteteOberglogau hat nur deutsche Bürgernamen in den Urkunden von 1295bis 1298 *).

Auf dem Lande lagen die nationalen Verhältnisse freilich in derzweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts noch jo, dass es rein deutsche Ge-genden schwerlich gab. Deutsche und Polen wohnten im Gemenge,d. h. neben rein deutschen Kolonistendörfern lagen Dörfer mit ge-mischter Bevölkerung und durchaus slavische selbst im Gebirge.

Der Prankensteiner Kreis z. B., der altes Kulturland ist, war imAnfang des 13. Jahrhunderts ganz polnisch. Die Stiftungsurkunde vonKamenz 1210 zeigt nur polnische Dorfnamen. Fünfzig Jahre späterhat die Verdeutschung hier Boden gewonnen, denn in der Bestätigungs-urkunde von 1260 werden zwar noch viele ganz polnische Namen auf-geführt, einer Anzahl anderer aber deutsche Benennungen als dieneueren oder jetzt allein gültigen beigefügt.

Das Neisser Bischofsland war bei Aufnahme des Registrum (1280bis 1320) deutsch und polnisch gemischt, mit Uebergewicht des Deutschen.Der Otmachauer Bezirk jedoch war, nach Orts- und Personennamen zuschliessen, fast ganz polnisch. Zu deutschem Recht freilich waren vonden ungefähr 5500 Hufen des Bischofslandes nur etwa 500 nicht aus-gesetzt.

Der westlich an Frankenstein grenzende Reichenbacher Kreis istmehr als die meisten anderen Neuland. An seinen Rändern freilich

') Meine Ausführungen in der Zeitschr. f. Schles. Gesch. XXI, 241 f., 248 f.2 ) Regesten IIT, 193. 209. 257.

Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. II. 3. 12