H~| Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 167
teilung nach fränkischer oder flämischer Art, urn sie für den Grund-herrn einträglicher zu machen. Man darf daher deutsches Recht unddeutsche Einwohnerschaft nicht als sich deckend annehmen.
Sicherer können die Städte mit deutschem Recht für wesentlichdeutsch in den Bewohnern in Anspruch genommen werden, wenn auchPolen darunter gemischt sein mochten. Die älteste schlesische Stadtmit deutscher Einrichtung und deutscher Bevölkerung scheint Goldberg,das sich schon 1211 ein Weistum über städtische Strafrechtspflege inMagdeburg holte. Neumarkt, das nicht viel später von Herzog Hein-rich I. als deutsche Gemeinde eingerichtet ward und damit vielen Ortenbis tief nach Polen hinein Vorbild gewesen ist, war zunächst nur Dorf.Auch Breslau war damals nur als Dorf eingerichtet: 1214 hatte eseinen Schulzen Godin, 1229 einen Schulzen Alexander; erst 1248 wirdein Breslauer Vogt genannt, und damit Breslau als herzogliche Stadtbezeugt x ).
Löwenberg besass bereits 1217 ein geschriebenes Stadtrecht.Neisse war vor 1223 mit flämischem Recht bewidmet und hatte einenVogt, also städtische Einrichtung.
Wie in Breslau ist in vielen schlesischen Städten das Dorf derStadt vorangegangen. Nicht selten war damit ein Platzwechsel ver-bunden. Das alte Dorf ward von den neuen Bürgern verlassen, lebteaber als bäuerliche Gemeinde weiter, dem Ortsnamen ward dann Altvorangesetzt. So finden sich heute noch die Dörfer Altjauer und Alt-Patschkau in der Nähe der vom Bach hinweg auf eine Höhe gerücktenStädte Jauer und Patschkau.
Oder der alte Ort ward zwar städtisch eingerichtet. Man verlegteaber trotzdem in der Folge, wahrscheinlich durch öftere Wassersnotgetrieben, den Wohnsitz der Bürgerschaft auf einen höheren geschütztenPlatz. Der frühere Ort dauerte mit der ehrenden Benennung Altstadtfort. So haben wir eine Altstadt Lüben, Namslau, Neisse, Nimptsch,Neustadt (antiquum Lubin, antiquum Namslaw, antiqua civitas; altacivitas Czulz [Neustadt]), aber jetzt als Dorfgemeinen. In der AltstadtReichenbach, die nur aus einem Gute mit Schmiede und zwei Wasser-mühlen besteht, haben die Besitzer Bürgerrecht in der eine balbe Stundeweiter östlich auf einen Hügel gerückten Stadt behalten. Die AltstadtStrehlen ist eine Vorstadt der jüngeren städtischen Gemeine geworden.
Bei Dörfern lässt sich ein ganz ähnlicher Vorgang beobachten.Neben das alte slavische Dorf ward das neue deutsche mit Pfarrkirchegesetzt und durch das Wort Gross ausgezeichnet, während das alte dasVorwort Wenig (jetzt meist mit Klein vertauscht) erhielt: so Gross-Monau neben Wenig-Monau, Gross-Rosen neben Wenigen - Rogosen(jetzt Klein-Rosen), Gross-Wandris neben Wenigen-Wandris (Klein-Wandris), Wenigen -Wirbitz (heute Schlanz) neben Gross -Wirbitz.Wenigen-Burg (Kleinburg), Wenigen-Tinz (Kleintinz), liegen vonGrossburg, Grosstinz entfernt.
') Godiiius soltetus 1214, Korn, Breslauer Urkundenbuch Nr. 1, Alexanderscultetus de Wratislavia 1229, ebenda Nr. 8, advocatus noster Henricus Wratis-lavie 1248, ebenda Nr. 14.