Einleitung. VII
wieder eine ungeahnte, keinerlei Kosten verursachende Bereicherung derBibliothek, namentlich in ihrem Handschriftenbestand. Dem neuen Kur-fürstentum und Königreich wurden Klöster und. ritterschaftliche
Gebiete zugeteilt, bei deren Auflösung neben den gedruckten Büchernauch handschriftliche Schätze von grossem Wert zum Teil der öffentlichen,zum Teil aber auch der neu gegründeten h\ Handbibliothek anheimfeien.
Unter den com Staat Württemberg inkorporierten geistlichen Anstaltenwar das Bitter Stift Komburg die erste, welche ihren Vorrat an Büchernund Handschriften abgab. Im September 1805 übernahm der StuttgarterBibliothekar Petersen unter Zuziehung des Rektors Fr. Dar. Gräter vonHall zunächst, sämtliche Handschriften und die merkwürdigeren Inkunabelndes Stifts und Hess sie in die öffentliche Bibliothek der Residenz verbringen,während die andern Inkunabeln und die sonstigen Bücher erst nach mehr-jährigem Verweilen in dem neuwürttembergischen Zentraldepot Ellwangendort eintrafen.'*) Die Handschriften fand mau ohne Lücke vor. DasStift war eine verhältnismässig junge Gründung; Erzeugnisse eigener litte-rarischer Thätigkeit der Stiftsherren fehlten, wohl aber hatten ein paargelehrte Dechanten aus fremden Bibliotheken schätzbare Bücher und Ma-nuskripte erworben, welche jetzt der Stuttgarter Bibliothek zu gute kamen.Hierunter war z. B. der par cxcellence als Komburger Handschrift bekannteCod. po'ef. et philol. Fol. nr. 22 (Sammlung altniederländischer Gedichte),dann einzelnes aus dem Heidelberger Humanistenkreis (Rudolf AgrikolasWerke, gesammelt von Dietrich c. Plieningen, Cod. poet. et philol. Q. nr. 30und. verschiedene Codices von Klassikern), Aventins bayerische Annalen undChronik, sowie anderes in die bayerische Geschichte Einschlagende aus demNachlass Oswalds o. Eck.
Was die Bücherschätze der übrigen Klöster und Stifter der neu-württembergischen Gebiete betrifft, so wurden die Erwartungen der Stutt-garter Bibliothek eine Zeit lang durch die Absicht des Kurfürsten Friedrich,durchkreuzt, aus den Bücher schätzen des Stifts Ellwangen und der übrigensäkularisierten Klöster des neuangefallenen. Gebiets eine Zentralbibliothekfür Neuwürttemberg in Ellwangen, zu bilden. Friedrich, kam aber vondiesem Plan gelbst ab, indem er nach seiner Erhebung zum König im Jahr1800 aus seinem gesamten, Herrschaftsgebiet einen einheitlichen Staat bil-dete. So löste sich jenes neuwürttembergische Zentralbücherdcpot nach kur-zem, Bestand, auf und die dort aufgestapelten oder doch dorthin bestimmtenBücher flössen nun ohne weitere Zögerung in die königliche Residenz. Zu-nächst trafen Klosterhandschriften aus Gmünd (1807) und Wi Illingen(1808), dann (jedenfalls nicht vor dem Sommer des Jahrs 1810) solche
*) Vergl. hierüber Stalin a. a. 0. S. 6'5.