(Einleitung.
1. Ursprung und Geschichte der Handschriftensammlung.
Das Land Württemberg entbehrte lange einer in grösserem Stil an-gelegten Bibliothek.. Wenn der edle Herrn;/ Eberhard im Bari einemassige Zahl von, Büchern und Handschriften um sich her vereinigte, solag ihm planmässiges Sammeln noch fern; ihn trieb bloss das Interesse für
einzelne Erscheinungen im Gebiet, der Litteratur und das Wohlwollen gegenGelehrte und Dichter. Grösseres hatten Herzog Christoph und seineNachfolger im Auge, indem sie in ihren- Schlössern förmliche Bibliothekenunterhielten, deren Inhalt laut den noch vorhandenen Katalogen umfassendund mannigfaltig genug war, um eine Zerlegung in verschiedene Disziplinennötig zu macheu. Wir haben es hier gleich mit zwei Sammlungen dieserArt zu thun. Denn Christoph begnügte sich nicht damit, an seinem Uaupt-aufenthaltsort Stuttgart eine solche zu Indien, er stiftete dazu eine„fürstliche Liberei" auf dem Tübinger Schlosse, ■welches er manchmalmehrere Monate hindurch bewohnte. Aus diesen Sammlungen hätte leichtmit der Zeit eine grosse Bibliothek erwachsen können, wenn der dreissig-jährige Krieg nicht eine furchtbare Katastrophe herbeigeführt hätte. Wiedie Tübinger Eibereg in Feindeshand fiel und zu ihrem grösseren Teilenach München entführt wurde, hat uns jüngst R. Roth in einem lehrreichenProgramm*) geschildert. Dem Stuttgarter Schwesterinstitut ging es nichtviel besser. Denn auf einem Vorsetzblatt des im Jahr 1024 angelegten undspäter fortgesetzten Inventars desselben (im Besitz der Bibliothek) lässtsich ein kundiger Mann also vernehmen: „Bisse hierinnen verzaiehneteBücher seiudt mehrerthegls im laydigen Einfall entführt und dass wenige
*) Die fürstliche IJbercy auf llohentübingen und ihre Entführung im Jahr163C). Tübingen 1888.
Handschr. d. k. öfl'. Bibl. Stnttg. I, 1. *