44Herr Advocat=Anwalt Schneider aus Köln ließ die zum Fest er-schienenen Veteranen aus den Freiheitskriegen leben:Meine Herren! Ich fordere Sie auf, mit mir ein Glas zu leeren aufdas Wohl der Veteranen unter unsern Freiheitskämpfern. Ich meine zunächst zwei Herren, deren Brust das Zeichen trägt, vor dem man, wie HerrLüning sagte, noch jetzt den Hut zieht, die Herren Harkort und von Vaerstich meine ferner den Abgeordneten Herrn von Rönne, der an den Freiheits-kämpfen gleichfalls rühmlichst Theil genommen; ich habe endlich noch imSinne den hier gegenwärtigen Kölner Appellationsrath von Ammon, derals Mitglied der ersten, als Mitglied der zweiten Kammer muthig mancheLanze für die Freiheit gebrochen hat, und der jetzt noch mit rüstiger Jugend-kraft gegen den Feind im Innern kämpft. Sie leben hoch!Herr Notar Bermbach aus Gerresheim entzündete die Versamm-lung zu jubelndem Zuruf durch ein Hoch auf Waldeck:Meine Herren! Wenn ich auch heute nicht in der Vertretung desVolkes sitze, so rechne ich mich doch zu den alten Vertretern, die für deut-sche Freiheit und deutsches Recht aufgetreten sind. Als einer von den-jenigen Männern, die zu den letzten 105 des deutschen Parlamentes gehörthaben, richte ich hier an Sie das Wort. Ich weiß, was das heißt, deut-scher, und was das heißt, preußischer Abgeordneter zu sein. Ungeheuerist das Gewicht der Pflichten, die einem Menschen als Volkesvertreter auf-getragen werden; darum verdienen vorzugsweise diejenigen Männer dieVerehrung und Liebe des Volkes, welche sich so schweren Pflichten unter-zogen, und dieselben nicht allein in einzelnen Jahren, sondern Jahrzehendehindurch treu erfüllt haben. Es ist ein bedauernswürdiger Zufall, daßwir den Hauptvertreter unserer preußischen Nationalfreiheit nicht hier unteruns sehen. Meine Herren, ich meine den Abgeordneten Waldeck; hättenwir die Freude, ihn in unserer Mitte zu sehen, wir würden ihm zujubelnwir würden ihm zujauchzen (Bravo!) als dem ältesten und bewährtestenVerfechter unserer Freiheit. Und da er nicht hier ist, so haben wir wenigstens die Pflicht, seiner zu gedenken. Lassen Sie uns, meine Herren, dieGläser voll füllen und austrinken bis auf die Neige: Es lebe der alte, derächte deutsche Mann, es lebe Waldeck!An Waldeck wurde darauf ein telegraphischer Gruß gesandt, ebensospäter an Schulze=Delitzsch, als Abgeordneten und als Führer der genossen-schaftlichen Bewegung. Derartige Grüße kamen von der Versammlungdes Nationalvereins zu Gießen und von Rheda.Der Abgeordnete Herr Barre aus Lübbecke ließ anstoßen aufRheinland und Köln, indem er sagte:Meine Herren! Ein Sohn der rothen Erde trete ich vor Sie undbitte ums Wort. Als die Kölner uns zu unserm heutigen Ehrenfeste ein-luden, da schlugen alle Herzen, und freudig eilte ich von der Weser herum dem Rufe zu folgen, aber auch, um Ihnen aus meiner Heimath einenGruß zu bringen, den Gruß des Ravensbergischen Landes, das leider inder letzten Zeit wohl in den Ruf gekommen sein mag, die Vendée desFeudalismus zu sein. Meine Herren zweifeln Sie nicht daran; wir habenzwar eins mit den alten Vendéern gemein, daß wir felsenfeste Treue im
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Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
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