42außer Deutschland, wenn namentlich die Engländer jetzt mit so großerGeringschätzung, ich möchte sagen, mit Verachtung auf unser Land undseine unendliche Geduld hinweisen, dann, meine Herren, sollen sie sicherinnern, daß sie noch viel mehr und viel Schlimmeres zu erdulden gehabthaben von ihren liederlichen Cavalieren (Bravo!), und am Ende ist dochgekommen, was kommen mußte. Wenn wir den ernsten Willen haben,das durchzusetzen, was wir durchsetzen müssen, dann werden wir es aucherreichen. Und, meine Herren, diese Niederlage, die wir augenblicklicherleiden und wegen deren uns das Ausland verspottet nach dem altenSatze: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgensie hat auch ihr Gutes. Ich bin fest überzeugt, diese Niederlage wird denRest des Particularismus ausrotten, der auch bei uns noch herrschte undder da meinte: „Wir haben uns um die Andern nicht zu bekümmern; wirthun genug, wenn wir für uns selbst sorgen;“ und sie wird die Ueber-hebung brechen, die man freilich in Süddeutschland übertrieben hat, dieaber doch vorhanden gewesen ist, die da meinte, wir bedürften des übrigenDeutschlands nicht.Ja, meine Herren, jetzt sehen wir es an unseren Zuständen wiederrecht deutlich, wenn wir nicht Einer für Alle und Alle für Einen stehendann wird es nie besser bei uns und in Deutschland; Einigkeit macht stark.Im Auslande nennt man uns ein Volk von Denkern. Ja, meine Herren,wir wollen den ironischen Beigeschmack dieses Epithetons überhören; wirdürfen ihn wohl annehmen, wenn wir die Namen aufzählen, die bei unsunter den Dichtern und Denkern der Menschheit glänzen. Aber, meineHerren, daneben gibt es zwei Dinge, die man auch überall von diesemVolke der Denker aussagt: Deutsche Lieder und deutsche Hiebe.Schon einmal, meine Herren, als Preußen die Stellung einnahm,die ihm zukommt, haben wir beim Klange deutscher Lieder den Feind mitdeutschen Hieben über die Grenze gejagt, und wenn wir jenen festen Ent-schluß, den Platz wieder einzunehmen, der uns gebührt, ernstlich geltendmachen, dann werden wir auch von Neuem den äußern und den innernFeind mit diesen Liedern und diesen Hieben vernichten. So lassen Sieuns die Gläser erheben auf den ernstlichen Willen, mit Muth und Aus-dauer einzutreten in diesen Kampf. Schwere Wolken jagen einen Augen-blick über die Scene. So weit ist es gekommen, daß man in bornirterVerblendung die Umkehr der Wissenschaft zu dekretiren wagt. MeineHerren! Es gibt ja auch liberale Fürsten, und die Fürsten der Wissen-schaft zählen vor Allen zu ihnen; sie sind wahre Herzoge, die im Fortschrittden Völkern unaufhaltsam vorangehen, und wie sehr man auch von Obenherab dekretiren mag: Umkehr der Wissenschaft, es wird doch immer unterihnen Männer geben, die bis zum letzten Athemzuge mit dem alten Galileisagen: „Und sie bewegt sich doch!“ Meine Herren! Erheben Sie IhreGläser! So wenig wie die Umkehr der Wissenschaft gelingen wird, sowenig wird es gelingen, Preußen seinem nationalen Berufe zu entfremden.Wie hoch man auch das Geschick in der Ungeschicklichkeit anschlagen mag,welches leider in den politischen Begebenheiten unserer letzten Zeit eine sogroße Rolle gespielt hat, so hoch wird dieses Geschick nie steigen, daß es
Druckschrift
Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
Seite
42
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten