Druckschrift 
Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

25richtig, eine Werthänderung ist eingetreten. Es sind die Demonstrationen,die aus freier Regung des Volksgeistes, ungerufen scheinbar, aber in Wirk-lichkeit nicht unberufen, hervorgehen, zurückgetreten gegen die Art vonDemonstrationen, welche die Staatsverfassung von den Staatsangehörigengeradezu fordert. Seitdem die Nation in der Wahl des Abgeordneten-hauses ihre Meinung demonstrirt, ist der Wahltag ihr höchster politischerEhrentag geworden; aber zu diesem Ehrentage, zu unserm Wahlrechte, zuunserer Verfassung wären wir nie gelangt, wenn nicht viel und stark in s. gunberufener Weise demonstrirt worden wäre. Aber, meine Herren, es istauch ebenso richtig, daß es Zeiten gibt, wo Vergangenes auflebt, und, wennja Einer so verzagt sein sollte, zu meinen, weil heute vielleicht die Stimmedes Abgeordnetenhauses für einen Augenblick nicht gehört zu werden scheint,darum sei es am gescheidtesten, sich in den Schmollwinkel zu setzen, dannwollen wir ihm sagen, daß der Werth einer Demonstration heute noch der-selbe ist, daß die Werthlosigkeit der legalen Demonstration noch mindestensStich hält neben der Werthlosigkeit, die 1843 decretirt wurde für denWiderstand, den die Rheinprovinz leistete. Wenn die berufene Demon-stration nicht gehört wird, so tritt die unberufene wieder in ihr Recht undin ihre Wirkung. (Bravo!)Meine Herren von Köln! Ihr Verdienst ist es, diese Sachlage be-griffen und ihr Folge gegeben zu haben. Wir alle, ich meine wir Ab-geordneten, können darüber nicht zweifelhaft sein, daß unsere Persönlichkeitnicht den Ausschlag gegeben hat bei dem Gange der Verhandlungen imAbgeordnetenhause. Wir können nicht zweifelhaft sein darüber, daß daswas geschehen ist, weder unser Verdienst noch unsere Schuld ist. Dennsobald ein Volk reif ist für die Constitution, dann mag der einzelne Ab-geordnete heißen, wie er wolle, dann mag er über Einzelnes denken, wieer wolle, es wird stets ein Haus gewählt, dessen Majorität demselben Mi-nisterium gegenüber immer in dieselbe Lage kommt. (Bravo!) Sie, meineHerren, haben aus der Uebereinstimmung, in welcher jeder einzelne Ab-geordnete mit seinem Wahlkreise ist, die Summe gezogen, und damit de-monstrirt zweier Provinzen, zweier engverbundener und eng verschwisterteProvinzen ernstes Verlangen nach streng verfassungsmäßigem Regimente(Anhaltendes Bravo.) Unsere Gegner, die allemal sehr feine Juristen sindwenn sie bloß das ihnen passende Stück vom Rechte auslegen, kommenvielleicht, um Sie, meine Herren, nach der Legitimation zu fragen. Meinverehrter Freund, der Herr Vorsitzende, hat schon gesagt: diese Versammlungaus allen, auch den entferntesten Theilen des Landes, und zum Theil nichtohne große Mühe für den Einzelnen, zusammengeströmt, gibt die Antwort.Sie, meine Herren von Köln waren des Erfolges gewiß und dieseGewißheit ist eine Legitimation; Sie haben aber auch noch eine andereLegitimation: Es gibt Ortschaften und Bürgerschaften, die so berech-tigt wie verpflichtet sind, dem übrigen Lande und Volke das Beispiel, ichmöchte sagen die Tagesordnung zu geben. Wenn irgendwo Rheinlandund Westphalen zusammenkommen, so kann es kaum anderswo sein, als woam Rhein die Ebene sich vom Berge scheidet. Auf ein paar Meilen auf-wärts oder abwärts kommt es dabei nicht an. Denn wie Thal und Hügel,