hat eben ein anderes Lebensgesetz als alles Kör-perliche. Hier ewiger Kreislauf, so daß das Ende immerwieder in den Anfang zurückkehrt, dort, beim Geist, die ewigeBewegung nach vorwärts, auf einem Wege, dessen Ende. Nie-mand absieht. — Jemehr ich ein weiser und guter Mensch werde,desto lebendiger werde ich mir meiner selbsten bewußt; Selbst-bewußtsein ist die Grundeigenschaft des Geistes. Nun sterbe ich.Der Leib löst sich in seine Bestandtheile auf, und diese vergehnnicht, sie dauern fort als Theile der Erde, der Gewächse, derLuft, jedes in seiner Art; und der Geist? Nun er vergehtauch nicht; was Geist in mir war, dauert auch fortin seiner Art, und seine Art ist eben das Selbst-bewußtsein.„Aber wie? wo? des Leibes Stoffe gehören der Erde an,als Theile des Erdbodens, der Gewässer, der Pflanzen, der Lüftein die sie übergegangen sind, bleiben sie an den Erdball gebun-den; der Geist, vielleicht schwingt er sich leicht wie der Lichtstrahldurch den Raum des Alls, von einer Welt zur andern, vielleichtwird eben das Licht sein Kleid, vielleicht; ich weiß es nicht.Aber wenn ich die Sterne betrachte, so ahne ich, daß ich einstder Fülle des Daseins und Lebens, das jede dieser Welten gewißin sich schließt, näher sein werde, als jetzt. Und wenn ich jetztan der Hand der Naturforschung in das Innere der Dinge, diemich umgeben, einzudringen versuche, so ahne ich, daß ich's einstwerde besser können als jetzt, jetzt wo das, was in mir denktund forscht, nicht unmittelbar an das Wesen der Dinge hinan-dringen kann, sondern immer nur durch die Sinne und immernur an den veränderlichen Stoff. Wenn ich jetzt mit Menschen,mit denen mich die Liebe verbindet, vereinigt nach dem Rechtenstrebe, wenn der Wetteifer im Guten, aber auch die Geduld, mitder wir aneinander die Fehler tragen, und die Reue, mit derwir aneinander das Unrecht abbitten, Seele und Seele immer in-niger vereinigt, dann ahne ich, daß unser Bund für die Ewig-keit geschlossen ist. Ich ahne es, ich weiß es freilich nicht,aber ich weiß, daß mein Geist jetzt schon mehr ist, als die man-nigfachen Formen um mich her und an mir selbst, zu welchender Staub sich gestaltet, und ich weiß, daß er für sein Lebenandere Gesetze in sich trägt, als alle diese Dinge, darum ahneich sein Fortleben, wie es das Menschengeschlecht von den ältestenZeiten her geahnt hat, obgleich ihm nie ein Unterpfand von jen-seits zukam, und wenn man mir sagt: bloß der starkeWunsch zum Leben habe von Alters her die nichtigeHoffnung eines Jenseits erzeugt, so sage ich mei-nerseits: nein, das starke Gefühl der Erhabenheit desMenschengeistes hat von jeher den Gedanken an eine Ver-
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