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Sollen die Juden Christen werden?
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V

wetten dürfen, dass die »adelige Blüte« Ungarns der eifrigsteVerfechter der Regierungsvorlage gewesen wäre.

Aber wir brauchen nicht einmal so weit zu gehen. Eineinfaches Wettrennen oder Kegelschieben, von einem schlauenAnhänger der Regierungspartei an demselben Tage veran-staltet, an dem die Abstimmung stattfinden sollte, hätte un-zweifelhaft den Reihen der blauschwarzen Opposition mehrals neun theuere Häupter entrissen. Doch lassen wir dieseHypothesen; nehmen wir die Thatsachen, wie sie sich ge-staltet haben, und ziehen aus ihnen unsere Folgerungen.

Jeder wahre Freund des unverfälschten Liberalismus,welcher Confession er immer angehören möge, hat gewissmit hoher Freude die Einbringung des in Rede stehendenGesetzes begrüsst. Denn dasselbe bezeichnet einen uner-messlichen Fortschritt in der Gulturgeschichte der Mensch-heit. Wäre das ungarische Oberhaus ein Parlament, dessengeistige Potenz dem österreichischen Oberhause gleichkäme— was bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des ersterenein Ding der Unmöglichkeit ist — wir hätten anlässlich desMischehegesetzes in demselben eine jener Debatten vernommen,wie sie so oft in dem alten Hause in der Herrengasse zu Wienvernommen wurden, wenn es sich um grosse Culturfragenhandelte; Debatten, welche trotz der materiellen Niederlageder liberalen Partei zu den ruhmvollsten Momenten in derGeschichte derselben gezählt werden müssen.

Doch auch so bleibt der 12. Januar 1884 ein merk-würdiges Datum in der Culturgeschichte Ungarns. Das libe-rale Ungarn kann sein Haupt ruhig niederlegen, denn es hat,so viel an ihm war, gethan, um im Angesichte der civilisir-ten Menschheit die Schmach zu tilgen, welche die Bary undIstoczi durch ihr schändliches Treiben über ihr Vaterlandgebracht haben. Wir können die Bewohner eines Landesnicht für die unheilvollen Institutionen desselben verantwort-lich machen. Wäre die Zusammensetzung des Oberhauseseine andere gewesen, die Magnatentafel wäre Hand in Handmit dem Abgeordnetenhause vor die Welt hingetreten und