Druckschrift 
3 (1903) 1587 - 1592
Entstehung
Seite
649
Einzelbild herunterladen
 

8*. 1577 649

Agnes 1 gesehen; hette sie noch mehr nachgelassen, so hette mans 11. Juniauch genomen- Ich hoffe aher zu dem treuen gott nicht, das er Emsmich mit meiner tochter so strafen soll. Hette die prinzen [!] denprinzen, der voller unzucht und buherei gesteckt, nicht bekommen,es were vieleicht auch zu den bösen hendeln nicht kommen. Dasmein herzlieber herr nicht treue rate hat, ist leider alzuwahr; sieseind aber noch alle calvinisch, gott seis klagt". . . Besorgt, W.glaube etlichem Otterngezücht zu viel, Leuten, die sich wie SchlangennichL festhalten lassen.

Die Frage ihres Leibgedings überlässt sie ganz ihrem Herrn.W. ist trotz seiner guten Meinung gegen den Kf. doch von Gegnerndesselben und Anhängern Casimirs berichtet.Das macht nun diecalvinisch sect, die meinem bruder Casimir anhangen, und vieleichtman under E. L. rate und diener derselbigen auch finden solt, soman sie erfur sucht". Ihren Glauben erkennt man an den Früchten.Wenn W. rät, der Kf. solle der Herr und nicht der Knecht seinerRäte sein, so sagt sie das auch oft; aber es ist nur das gute Herzdes Kf. schuld, der die Nachrede vermeiden will, er verwerfe dieRäte wegen der Religion und wegen ihres Verhaltens gegen ihnunter der vorigen Regierung. Trotzdem lassen sie ihre Schalkheitnicht. Dass aber der Kf. über diesen Regierungsanfang mit Rechttief bekümmert ist, dessen möge Gott sich annehmen und demRecht zum Sieg verhelfen. . .

Die Treue des D. Ohm gegen den verstorbenen Kf. kann sienicht mit W. rühmen. In einem oder dem andern mag er seineSchuldigkeit getan haben, ,,es wird aber sehr wenig sein, allein daser M. Gn. H. zu unbillichen dingen geholfen, das mehr schadenals nutz gebracht hat, und einen gülden helfen gewinnen und dar-gegen mit seinen losen practicken grosse schold und die Pfalz ingross merklichs verterben gebracht und soviel an im ist, als er indieser letzten practiken, die er gemacht und angeben, die Pfalzganz zu grund gerne bringen wollt, gott gebe es ihm zuerkennen!Das ich nun vor einen solchen nichtswirdigen mann soll bitten,kann ich nicht tun; ich will mein bitten besser anlegen, wüsteauch wenig rühm und ehr in der Pfalz bei hohen und nidrigen zuverdienen, sondern mehr fluchs als gutes wünschen. Will aberherzog Casimir deshalben nicht zu uns kommen, da ers nicht fughat, so bleibe er aussen und zorne, bis die grauen rocke vergehen;so wird ers einmal mut werden". 8

Eintracht in der Religion ist wohl bei diesem gewaltigem Tobender Sekten Dicht zu erwarten. Die noch beibehaltenen Calvinistensind überaus trotzig in ihren Predigten; man kann nicht ihrethalbendie rechten Prediger abschaffen. Aber ihr Herr wird, wenn einmalsein Land recht bestellt ist, gegen eine Zusammenkunft seiner undder casimirischen Prediger nichts haben, obwohl daraus nicht vielzu hoffen. Man kann auch nicht wegen der verfolgten Christen inFrankreich und Niederland das reine Wort Gottes fahren lassenund Irrtümer einführen. Man soll bei dem bleiben, was man aus

1 Gemahlin des Kf. Moritz von Sachsen; ihre Tochter AnnaMaria die ehebrecherische zweite Gemahlin Oraniens.

2Bis die grauen rocke [die Mönche] vergehen" = niemals;vgl. Grimm Vill, 1097.