608 1592 678.
3(8.) 678. Memorial Pfalzgrat' Johanns für KurfürstHeidel- Friedrich IV.
„Donnerstags den 3 ten februarii ao. etc. 92. vor mittags".
Pf. Johann zeigt folgende Punkte an dem Kf. Friedrich inPerson, im Beisein der Räte Graf Ludwig von Wittgenstein, GeorgLudwig von Hütten, Otto von Grünradt, D. Ludwig Cullman, desKammersekretärs Heinrich Pelen und des pfalzgräflichen KanzlersLic- Heinrich Schwebel.
J., der aus Zuneigung zum Kf. hieher kam und dem Begräb-niss J. C. beiwohnte, 1 wollte neben der Klage und Glückwünschungden Kf. etlicher notwendiger Punkte erinnern, ohne ihm im Regi-ment Mass geben zu wollen, nur gemäss dem Vertrauen zwischenihm und dem Kf. Ludwig und J. C. . . .
Die von J. aufgezeichneten Punkte:
1) Errichtung von Epitaphien für J. C. und dessen Gemahlin„seliger gedächtnus, welche dannocht ein ganz christlich gut endgenommen". 2 2) Erhebung und Eröffnung von J. C. Testament, 3dessen Bestimmungen vor allem betreffs der Tochter, Freunde undDiener J. C, wenn es auch nicht mit allen Solennitäten versehenwäre, trotzdem durch den Kf. exec^uirt werden sollen. 3) Empfiehltdem Kf. Fräulein Dorothea, die J. C. ihm etliche Male mündlichanbefohlen hat, zu christlicher und fürstlicher Erziehung undstandesgemässer Vermählung; „und sich nichts irren zu lassen, obvielleicht die kais. Mt. sich ihrer tutel anzunemen understeheuwolte", wie M. Ernst Friedrich ihn jetzt hier auf eine derartigeAnmassung des Kaisers betreffs der hinterlassenen Töchter M.Jakobs aufmerksam machte. 4) Da J. C allerhand geheime actain vielen hochwichtigen Sachen hinterliess, „darunder dan nitwenig, dem S. F. Gn. mit eigner band au I. F. Gn. und sie hin-gegen an diesellige geschrieben", soll der Kf. diese Akteu erheben,fleissig lesen und wohl verwahren, wobei der Kf., der ja bereitsbetreffs der Verwahrung dem Kammersekretär Befehl gegeben hat,nützliche Sachen und Bedenken für seine Regierung finden wird.5) Empfiehlt J. C. geheime Räte, Sekretarien und Diener, besondersdie beiden geheimen Sekretäre Pelen und Durant. 6) „WiewolI. F. Gn. nit eigentlich bewust, ob pfalzgrave J. C. vielleicht mitfremden potentaten, als Frankreich, Engelland und andern, sonder-bare bundnus und verstendnus oder auch dienstgelt von denselbigen
1 Ueber die Beerdigung J. C. berichtet Johann Vest am 8./18. Febr.aus Speier an Baiern, sie habe am 26. Januar a. St., „gleiehwolschlecht genueg", stattgefunden; vor der Leiche gingen nur „derjung herzog Casimiri vetter", die Pf. Reichard und Johann, die zweiMarkgrafen zu Durlach [Ernst Friedrich und Georg Friedrich] „nebendem jungen freulein" [Pf. Dorothea]; und sei die Leichenpredigtgehalten und dann abgedankt worden (Ma. 301/3, Or.). Ueber dieLeichenreden, Gedichte u. s. w. vgl. Häusser II, 172 A. 77; ein Sehr,des Tossanus vom 2. Febr. bei Cuno II, 128 f.
2 Vgl. S. 329; Abh. der Münch. Akad. XIV. 3, 22; Zeitschr.Kulturgesch. (Steinhausen) VIII, 1901, S. 353.
3 Vgl. Nachträge, 21. Juni 1578.