657—658. 1591 593
junge Herr die ältere anderthalb Tage für seine gehalten und seinHerz auf sie gesetzt, so dass er künftig sagen könnte, die zweitehabe er nicht begehrt u. s. w. Haupteinwurf ist aber die Ver-schiedenheit der Eeligion; vgl. Aeusserungen Pf. Johanns undWeiers. .... Rät durchaus zu der Heirat.
Mb. 101|3. Or.
658. Relation d er Kapi tel sgesan dte n Graf Hermann 15.—19.n , j t% t i t,t . , . Dezember
Adolf von Solms und D. Johann Weiss über eine
Werbung bei Johann Casimir. 1
(J. C. lehnt eine offene Unterstützung des Kapitels bei Eroberung der
diesem entzogenen Güter ab, falls nicht die beteiligten Fürstenhäuser
mitwirken und ev. Entschädigung der Pfalz versprechen.)
Die 1. Audienz fand zu Heidelberg am 16. statt, in Gegenwartdes jungen Pf., des Kanzlers, Thomas Plarers und des Kammer-sekretarius Heinrich Peelen. Weiss brachte die Werbung an, derenHauptinhalt dahin ging, J. C. möge jetzt, nachdem das Kapitel mitder Stadt gänzlich verglichen, das Kapitel mit Rat und Hülfe unter-stützen und die früher mit demselben angefangene Handlung fort-setzen. Hierauf wurden die Gesandten der Stadt Strassburg gehört.Die Antwort erfolgte am 18., in Gegenwart der Obigen sowie derGesandten der Stadt Strassburg, durch den Kanzler. J. C. betonte,dass die am Stift selbst beteiligten Häuser sich nicht, wie maugehofft, erklärt hätten, dass ferner Brandenburg und Magdeburgdie Sache nur beim Kaiser entschuldigen helfen wollten. Doch rateer dem Kapitel, sieh seiner Güter zu bemächtigen. Man habe ihmmehrmals angedeutet, das Werk lasse sich in dem bisherigen Standnicht länger halten, die Kapitularen müssten ohne Unterstützungdie Sache aufgeben, die Hauptkirche des Stifts werde den Jesuitenin die Hände fallen; „dann der Jesuiter practiken also mächtigund gewaltig, das es nit auszusprechen", wobei auf ihr Eindringenin Augsburg hingewiesen worden sei. Er sei auch bereit, dieOkkupation der Güter mit seinem Volk und Befehlshabern, aberauf Kosten des Kapitels, zu unterstützen, aber öffentlich und mitseinem Namen könne er sich des Werks nicht annehmen; dieswürde namentlich auch die interessirten Häuser allzu sicher undlässig machen. Ueberdies habe er sich durch Botzheim dem Bischofzum Unterhändler anbieten lassen, könne aber nicht ,,räter undtäter zugleich sein". Oeffentlich annehmen würde er sich derSache, wenn die beteiligten Häuser sich schriftlich zur Mitwirkungund eventuellen Entschädigung der Pfalz verpflichteten. . .
Eine Replik der Gesandten, worin sie um bessere Erklärungbaten, blieb erfolglos. In einem Privatgespräch des Kanzlers u. a.mit Weiss und dem Strassburger Gesandten Hochfelder äusserteder Letztere, „das seine herru bei verwilligung der capitulationvornemblich uf Pfalz gesehen, und wann sie dise erclärung zuvorgewüst heften, würden sie sich darzue nicht haben bewegen lassen".
1 Vgl. No. 602; Meister, KapiLelatreit S. 398 ff.
Bozold, Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir. III. 38