295-296. 1590 279
nunmehr in die vierze'hen tag zu Heidelberg und hat daselbst inseiner und des jungen herren pfalzgraf Friederichen gegenwartdurch den kirchenrat alle burger, von dem obristen bis zu dennidersten, auf dem rathaus vernehmen und ihres glaubens halbexaminiren, besonders aber diejenigen, so sich bisher der sacra-menten enthalten, mit mancherlei fragen, als: ob sie glaubeu, daszu Heidelberg ein christliche kirch und gemeinde sei und ob da-selbst gottes wort gelehret werde, und dergleichen, scharf tentirenlassen. Und wehret solch examen, soviel mir bewusst. noch heu-tiges tags. Es hat auch hochstgedachter herzog den furnembstenaus S. P. Gn. hofjunkern jedem vierzig gülden in verschiener wochezu einer Steuer zu eim ehrenkleid, als zu einem mantel mitsammeten flüegeln, eim adlesen wammes und sammeten pumphosen(dann solche specification expresse dabei geschehen) reichen' undgeben lassen, hat auch aus der Stadt viel Schneider in das schlosverordnet, die über die vierzig schöner, doch fast langer mentelvon kostlichem tuch und sammeten ausschlagen bereiten und fertigenmüssen. Was aber hierdurch gemeinet oder zu was end solchesgeschehe, kan man nicht wissen. Etliche sagen, es seien S. F. Gn.bedacht, sich in die ober Pfalz naber Amberg zu begeben; anderevermelden andere Ursachen, de quibus, ut incertis, non est tutumliteris quid committere". . . .
Mb. 326/20 f. 91. Or.
296. Johann Casimir an seine Tochter Dorothea. 7.Februar
Mosbach„Mein vaterlichen gruss zuvor, herzliebe tochter! Demnachich heut mit der hilf des herrn mit meine geferten glucklich alhieangelangt und alhie dise gemachte messer gefunden, hab ich dirsolche erkauft und hiemit zuschicken wollen, damit du dich gegenmeiner fr. herzliebe dochter freilein Christina und dem frauzimmerlösen mögest, welchs du also mit rat deiner hofmeisterin austeilensolt. Tue dich hiemit dem almechtigen in sein gnedigen schutsund schirm und mich in dein andechtig gebet zu gott bevelen.Wollest bruder Fritz und sein Schwester meiner freundlichen herz-liebe dochter mein vaterlich treuherzig gemut nnd gruss vermeldenund anzeigen. Bis gotsfurchtig, from, bet fleissig, übe dich mitlesen in dem wort gottes, so wurd dich gott segnen, auch zeitliche
angeklagt, und offen geständig war und 1593 nicht nur von ihremGemahl in aller Form geschieden, sondern auch kriminell verfolgt undvom Schöppenstubl in Jena znm Tod durch das Schwert verurteilt, abervom Herzog zu lebenslänglicher Haft begnadigt wurde (ebd. AppendixS. 13 ff.). L. hebt hervor, dass von keiner Seite der Versuch' gemachtworden sei in den Prozess einzugreifen oder der Gefangenen die Frei-heit zu erwirken. Eine Base Elisabeths, die ehebrecherische sächsischeGemahlin Wilhelms von Uranien, war schliesslich (1575) nach Dresdengebracht und von ihrem Oheim Kf. August bis zu ihrem Tod (1577)eingekerkert worden. — Mit dem Kloster „Chamm" ist jedenfalls das1556 aufgehobene Augustinerinnenkloster Chumbd bei Simmern gemeint(vgl. Wundt, Magazin f. Kirchen und Gelehrtengesch. der PfalzI..1789, S. 27 f.).