270. 1589 253
270. Johann Casimir an Christian von Sachsen. 29.
Lothringischer Einfall, ohne Zweifel vornehmlich durch denB. von Strassburg veranlasst, „der jederzeit mit ungluck schwangergaDgen" und dem Herzog helfen will sich des Bistums für seinenzweiten Sohn zu bemächtigen und die Mandate des Kaisers gegendie evangelischen Kapitularen zu exequiren. Gefahr für die ev.Fürsten, die die navarrische Hülfe befördert haben. Der Einfallgeschieht zweifellos mit Rat und Billigung der ligafreundlichenStände im Reich; daher alle evangelischen Fürsten interessirt.
P. S. Bericht von der Stadt Strassburg über die Zersprengungdes navarrischen Volks. Auf die kommenden französischen Reiterwartet ausser den Lothringern Jakob von Baden; Anmarsch vondu Pont und 5O00 Spaniern. Rüstet sich zur Gegenwehr. Aufmahn-ung der dreifachen Hülfe nötig. 1 •
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weitereu Entkommens in etliche Zentner Eisen geschlagen worden; „gottwolle ine und allen betrüebten trösten"; die Fürstin soll, aller fürst-lichen Ornamente und Kleidung beraubt, wie ihre vormalige Kammer-frau gekleidet und ebenfalls in schwerer Haft sein, auch von Weibs-personen nur eine alte Frau zu ibr gelassen werden.
1 Ueber die Zersprengung des navarrischen Fussvolks vgl. Thu-anus XCVIII. 2; Ehses, N.B.I.2, 421; 426 f.; 526 ff.; Mossmannim Bull, du musee hist. de Mulhouse VI, 1881, S. 25 ff.; Eitter,Br. u. A. I, 14; Segesser IV, 42 ff.; Meister S. 348 ff.; über dieDienste, die La Hug. Lothringen dabei erwies, La Hug. III, 320 ff.;330 f. Ein Lied auf die Niederlage der deutschen Landsknechte imJahrb. f. Gesch. Sprache u. Litt. Eis. Lothr. XIV (1898),134 ff. —i Sachsens Antwort an J. C. vom 17. Dez. (Conc. Krell) verweistauf die B. Ordnungen. Am 4. Dez. schreibt J. C. an die ev. Kapitularenüber die Vorbereitung der nötigen Schritte, um „die tabulae naufragaewider zu recolligiren" und die nötige Gegenwehr anzustellen; am 7.Dez. betont er die Notwendigkeit allgemeinen Zusammenwirkens, da manes nun mit der ganzen antichristlichen Liga und ihrem vornehmstenHaupt, dem von Lothringen, zu tun habe (Str. A. A. 772, Orr.). Dieev. Kapitularen (vgl. Meister, S. 349 f.) bitten am 2. Dez. J. C. umseinen Bat für eine Verhandlung, die sie in ein paar Tagen mit dem Ratwegen Mitteilung der Sache an die Fürsten zur Verhütung weiterenUnheils einleiten wollen, und schreiben unter gl. Datum an Magdeburg,Heinrich Julius, L. Wilhelm, Wilhelm von Lüneburg, Pf. Johann unddie wetterauischen Grafen (Str. 772; 838). Am 25. Dez. berichtetPancratius dem Pf. Philipp Ludwige J. C. habe den Ausschuss im ganzenLand gemahnt sich bereit zu halten und bei der nächsten Mahnung aufzu sein; es seien schon eine grosse Zahl Rüstwagen in den Aemternzugerichtet (Ma. 336/20) ; vgl. E h s e s I. 2, 428 f.; 437. Ein vertrau-liches Sehr, an einen Strassburger über lothringische Spionage inStrassburg und Heidelberg (Str. A. A. 838, Cop.) teilt u. a. mit, einev. Adeliger, lothringischer, bischöflicher und hanauischer Lehensmann,habe neulich zu Pfalzburg seine Nichtbeteiligung an dem Ausfall ent-schuldigt und einen lothring. Obersten gewarnt, sie könnten auf B.Boden einen schlafenden Hund aufwecken, worauf der Oberst erwiderte,sie seien nicht nur über die Stärke der Navarrischen, sondern auchüber alles, was in Strassburg und in der Pfalz vorgehe, ganz genau-unterrichtet; Lothringen habe zu Speier 3 Personen unter dem Vorwaudihrer Privatangelegenheiten als Kundschafter, einen Welschen [La Hug.]und 2 Deutsche, die abwechselnd in Heidelberg spionirten,