163. 1588 157
163. D. Johannes Vest, Fiskal, an Wilhelm von Baiern. ^
30.. . . Herzog Casimir hat, im Beisein des jungen Pf. und des JuniHerzogs von Zweibrücken, sein Landvolk dieser Tage mustern und Speierblinde Scharmüzel halten lassen. 1 Die geworbenen Schützen unddie pfälzischen Untertanen sollen, in die 11000 stark, von Weissenburgbis Landau liegen. J. C. soll vorhaben, in die 1200 SchützennachBacbarach, die übrigen nebst 8000 Schweizern nach Lothringen„vor Jahmis" zu schicken. Glaubt nicht, dass J. C. sein Landvolkso in die Schanze schlagen wird. 3
Ma. 227/2 f. 23. Or.
1 Am 10. Juni befiehlt J. C. dem Pfennigmeister Jakob Striegel,nach Bezahlung des Regiments Knechte die Reiter im Amt Oppenheimmit Winnenberg zusammen zu mustern (Mb. 102/5). Im Cod. lat. Monac.10741 findet sich f. 185 ff. eine „Elegia gratulatoria in abitum — mag-nanimi herois domini Johannis Casimiri — militatum abeuntisHeidelberga decimo die junii anno salutis 1588", dem KurprinzenFriedrich gewidmet, lieber eine angebliche Misshandlung Friedrichsdurch J. C. gelegentlich einer vor etwa 13 Wochen im Amt Alzei vor-genommenen Musterung schrieb eben damals, am 8. Juni, Pf. Reichardan M. Georg Friedrich (Fortges. Reverien Beil. S. 119 ff.). Kurzvorher hatte aber gerade Reichard, indem er es unterliess den Revisions-termin zu Speier zu beschicken, das dort am 22. Mai/13. Juni erlassenefür J. C. ausserordentlich günstige Dekret einer vorläufigen Einstellungder Revision mit veranlasst (vgl. ebd. 123 ff; Häberlin XV, 38 ff.).
3 Das Gerücht von einem Zug nach Jametz ist um so erklärlicherah eben damals La Noue wieder am pfälzischen Hof weilte; über seinevergeblichen Bemühungen um Unterstützung der Herzogin von Bouillonund Navarras vgl. Haus er S. 229; 313 ff; La Hug. III, 241 ff. Wassich der venezianische Gesandte in Prag erzählen Hess und dem Dogenberichtete, ist ein drastischer Beleg für die damalige Legendenbildung.Er schreibt am 25. Juni/5. Juli, J. C. habe mit 3000 Mann die befreundeteB. Stadt („terra franca imperiale") „Boidemburgh" überrumpeln wollen,sei aber durch das städtische Geschütz unter Verlust von 100 Mannzurückgewiesen worden und beschiesse jetzt seinerseits die Stadt; eshandle sich um Erbeutung des in der Kathedrale befindlichen Schatzes,der Krone u. a. Insignien des dort begrabenen Kaisers Heinrieb, imWert von 400000 V; die Bürger hätten einen Kurier an den Kaisergesandt. Am 2./12. Juli meldet Gradenigo, der nach Bonn abgefertigteHerold solle auch J. C. unter Androhung der Acht zur Aufhebung derBelagerung von „Boidemburgh" auffordern; man traue J. C. ähnlicheAbsichten gegen andere reiche Städte der Nachbarschaft zu und derHerold habe „commissione bastante per tutte", werde aber vermutlichwenig ausrichten, da J. C. „assicuratosi sopra li favori che tiene conli prineipi protestanti" (I) kaum gehorchen dürfte. Sollte dieses aufden Quedlinburger Dom bezügliche Märchen vielleicht aus dem Gerüchteiner Bedrohung von Ladenburg entstanden sein, das vom B. von Wormszur Hälfte an Kurpfalz verpfändet war? Das tätliche Vorgehen J. C.gegen den katholischen Gottesdienst daselbst fällt freilich erst in denSeptember 1588 (Häberlin XV, 110). Etwas weniger phantastisch sinddie Berichte Minucci's aus München; er lässt allerdings am 20./30. AprilSchenk immer noch in der Pfalz verweilen und schreibt am 10./20. Mai,ein gestern angekommener Bote aus Speier berichte, „che in quei con-torni si trovava il Casimiro in persona con 8 m raistri, co' quali chidice ch'egli passerä in Franza et chi altrove, ma dio solo sa sin qul di