151. 1588 143
151. Instruktion Johann Casimirs für seine an (26. April)Sachsen abgefertigten Gesandten. 1(Hülfsgesuch und Zusammenstellung von Beschwerden.)
J. C. Rüstungen wegen des guisischen Einfalls und der Warnungenvom Kaiserhof von Absichten gegen die Pfalz, die verwirklichtworden wären, wenn man Nachricht gehabt hätte, dass Sachsenstill sitzen würde. Bittet für den Notfall um Hülfe mit Geld undVolk und um Gestattung von Werbungen. Darlegung zunächstfolgender gemeiner Beschwerden. 1) Das Reich wird durch Spanienund den Papst vermittelst des Kaisers regiert; die vornehmstenR. Hofräte in span. u, päpstl. Sold; aachische u. a. Sachen. Er-weiterung des burgundischen Kreises, Entfremdung Utrechts, Cam-merichs, Gelderns u. s. w. vom Reich, „provincien in Utopia".Auch Stift und Stadt Köln sollen bereits burgundisch, d. h. spanischsein. Spaniens Aussicht auf Jülich, zum Schaden Brandenburgs u.a. Fürsten. In Italien Mailand, Finar und Siena okkupirt. Auchder Österreich. Kreis wächst zur Schmälerung des Reichs; Cilli,Hagenau, Fulda, der deutsche Orden. 2) Die Hoheit der Kff. wird
oder Ungnade zu ergeben. Vgl. hiezu Hir n II, 110. Der venezianischeGesandte Vincenzo Öradenigo schreibt aus Prag am 13./23. Febr. anden Dogen nicht über dieses Gerücht, wohl aber von der Forderungeines Landtags von Seiten der böhmischen Stände, die endlich dasdurchsetzen wollten, was ihnen K. Maximilian vor der Wahl Rudolfsauf Veranlassung Sachens zugestanden habe, nämlich „che le cose delregno siano restituite in pristino et come erano avanti la ribelione",ausserdem aber noch mehr, d. h. die Verwandlung des Reichs in einWahlreich wie Polen. Sie fordern den Landtag vor dem geplantenR. Tag; damit ergibt sich für die R. Fürsten Gelegenheit für allemöglichen Praktiken, vor allem für Sachsen und Brandenburg, „la mirade' quali non e altro che di levare l'imperio delle mani di questi"(Wien, D. V. XV. Or.).
1 Die Gesandten waren Adam Gans von Putlitz und L. Culman.In einem eigh. Sehr, an Kf. Christian, Heidelberg 26. April verweistJ. C. wegen der päpstischen Drohungen gegen ihn und der Gefährdungder deutschen Rel. und Freiheit auf die Werbung beider Räte, bittetdaneben eines besonderen Punkts wegen um persönliche geheime Audienzfür Putlitz und um Erklärung, wie sie die Notdurft des R. und J. C.erfordert (Dr. ebd.). In einem Sehr, vom 2. Mai beauftragt J. C. dieGesandten, auch die beschwerlichen Neuerungen des Statthalters zuMergentheim im Namen des abwesenden Erzb. Maximilian bei Sachsenund Brandenburg zur Sprache zu bringen; der alte Deutschmeister sollteseine Administration wieder aufnehmen ; zur pfälzischen Revision solleSachsen D. Paul, D. Grell oder D. Pistoris schicken (Ma. 545/4 f. 402,Or.). Kf. Christian versprach nach der Werbung schriftliche'Antwortan J. C. nach der Abreise Brandenburgs, der damals bei ihm war. DieseAntwort, Dresden 4. Juni, ist durchaus ablehnend, erklärt die R.Ordnungen für völlig ausreichend gegen jede auswärtige Gewalt undeine ev. Versammlung für durchaus untunlich; es solle nur jeder Standden R. Ordnungen nachkommen, sich der ausländischen Sachen enthalten,nichts gegen Land- und Rel. Frieden vornehmen, mit den Bonachbartengute Korrespondenz und Ruhe halten (ebd. Conc. Krell). Ebenso ab-lehnend Brandenburg am 7. Juni.