71-72. 1587 59
71. Leiccster an Johann Casimir. August
11
Dankt für J. C. Sehr, vom 13, Juli. Kam neulich auf Befehl 21der Königin in die Niederlande; welchen verwirrten Zustand erDordrechtvorfand, „hie nuncius Cels. T. plene poterit monstrare. ... Cels. T.devinetissimus et amantissimus pater R. Leycester".
Ma. 545/4 f. 371. Or. (pr. 2-3. Sept.)
72. Johann Casimir an Landgraf Wilhelm. August
12
Teilt Sehr, von Mainz [5./15. August] wegen des navarrischen Heidel-Kriegsvolks und eines Kreis- und Kurfürstentags mit. 1 Letztere ber SAnstellung und die angedeutete Kommunikation mit Sachsen undBrandenburg gehen offenbar nur dahin, das navarrische Volk ver-hasst zu machen, die vornehmsten evangelischen Stände zu explorirenund womöglich durch die kaiserlichen Kommissarien die Hand-habung der mandata avocatoria des Kaisers zu erreichen und auchdie weltlichen Kff. (die nicht immer einsichtige Räte schicken undsich vor dem Papst und seinem Anhang sicher glauben) herüber-zuziehen und damit die völlige Vernichtung der deutschen Freiheit
1 Am 5./15. August schrieb Mainz an J. C. über das Hausen desnavarrischen Kriegsvolks und schlug einen kurrheinischen Kreistagzu Bingen am 1. Sept. n, St. und eine Versammlung von Räten allerKff. und des Administrators am 2. Okt. n. St. zu Speier vor (Ma. 545/4Cop ; m. m. an Sachsen, Dresden, 9305, Or.) J. C. antwortete am 10.August durchaus ablehnend, wobei er den Kff. Tag mit Stillschweigenüberging und bemerkte, er habe nie beabsichtigt sich zum Kriegsvolkzu begeben und sich nicht in Strassburg „einforiren" lassen (Ma. Cop.).Eine vom 7. bis zum 11. August tagende Versammlung des oberrhei-nischen Kreises (Prot, und Akten Mb. 112/2 V) beschäftigte sich mitden Beschwerden des niedersächsischen und westfälischen Kreisessowie mit dem Durchzug des navarrischen und des kgl. französischenKriegsvolks; der Kaiser hatte dem Kreisobristen Solms schon am12./22. Juni Abwehr des anziehenden Kriegsvolks und am 13./23. JuliSchutz des R. K. G. vor den Navarrischen anbefohlen. Solms schriebaher mit seinen Beigeordneten am 25. Juli aus Strassburg an Wormsund Simmern, mit dem navarrischen Volk sei nichts anzufangen unddie Vorweisung des kais. Mandats zu Ittenheim wirkungslos gewesen(vgl. S. 51 A. 1). Eine Unterstützung für Niedersachsen und Westfalenlehnte der Wormser Tag am 9. August als unmöglich ab. Welchesinnlosen Gerüchte über J. C. damals umliefen, zeigt ein Schi - .Minucci's an den Herzog von Urbino aus München vom 4./11. August:„II Casimiro, dipoi che non gl' e andata fatta di passar con li suoiraiteri in Franza per Pimpedimento fattoli dal duca di Lorena, si vatrattenendo ne' stati dell' areiduea Ferdinando in Suevia, dove mandain ruina tutto ciö che puote, et ultimamente ha prese et sacchegiatedue cittä di importanza et dipoi ha minaciato acerbamente queid'Augusta, i quali si sono preparati giä alla difesa et stannolo adaspettare senza un timore al mondo" (Rom, pr. hist. Inst. Letteredi Minucei II, 371).