28
viel Baumwurzeln und Gestrüpp hat, so war das Hinüber-schwimmen an das andere Ufer streng untersagt [260], auchkam es vor, dafs Pilger, die zu sehr erhitzt, nüchtern, oderzu lange gebadet, krank wurden, oder starben. Daherwurden sie durch Trommelschlag von den Begleitungsmann-schaften daran gemahnt, zu rechter Zeit das Wasser zuverlassen, widrigenfalls sie durch Peitschenhiebe heraus-getrieben wurden [261].
An das Wasser des Jordans knüpfte sich allerlei Aber-glaube. Es galt Edelleuten als unumgänglich notwendigfür die Taufe ihrer Kinder [262], es ward als unverderblichvon den Pilgern geschöpft und aufbewahrt [263] trotz desVerbotes der Päpste [264], welche dem Aberglauben damitentgegenwirken wollten, und trotz des Widerstrebens derSchiffsleute, Jordanwasser im Schiffe zu dulden [265]. Werdarin gebadet, hatte vollkommnen Erlafs der Sünden [266],und es war alte Pilgersitte, in einem Hemde, das später alsSterbekleid dienen sollte, im Jordan zu baden [267]. Mantaufte sich gegenseitig im Jordan [268], um einen anderenNamen führen zu können [269], sowie auch Glöcklein, die,so weit sie hörbar sind, Schutz vor bösen Geistern undBlitzgefahr gewähren sollten [270].
Gewöhnlich nach vierzehntägigem Aufenthalte ver-liefsen die Pilger die heilige Stadt [271], um entwederdas nördliche Palästina, Damascus und Aleppo zu besuchen,oder um nach dem Sinai, Cairo und Alexandria zu gehen;doch suchten sie allerlei Andenken, am liebsten Re-liquien [272], mit nachhause zu nehmen. Man schnitt Dor-nen aus der Umgegend von Jerusalem ab [273], schlugStücke von heiligen Stätten los, kaufte Abdrücke von ChristiFufsspur [274], kleine Steine vom Zion, Josaphat oder 01-berg [275], vom Hakeldama und Damascenererde [276],Stücke aus der Geburtshöhle Maria für gebärende Frauen [2 7 7],Frauenmilch aus Bethlehem [278], Marienerde [279], Rosen-kränze aus Bethlehem und Gethsemane [280], Nägel aus denKirchen Jerusalems [281], Stücke von der Hebroneiche [282],Streifen Leinwand von der Länge des heiligen Grabes [283],