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Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande
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bedauerten die Pilger, dafs sie so lange in Venedig stillliegen und ihr Geld verzehren mufsten; denn mindestenszwei, später auch sechs bis acht, Wochen hatten sie zu war-ten, ehe endlich das Schiff absegelte, doch war ja die Zeit,wo sie in Venedig weilten, für sie nicht verloren.

Alle Berichte sind voll Bewunderung der Macht und desReichtums [124], welcher in dem Mastenwalde des Hafens,dem reich gefüllten Arsenale, in einer Beihe glänzenderPaläste, Schauläden und Kirchen vor dem trunkenen Augedes Beschauers sich entfaltete; die meiste Anziehungskraftjedoch übten auf den Pilger die grofsen Reliquienschätze [125],die prunkvollen Feste, wie die Vermählung des Dogen mitdem Meere [126] und die Fronleichnamsprozession [127],bei welcher die Pilger regelmäfsig teilnahmen und hoch ge-ehrt wurden [128]. Sonst war jeder mit seiner Ausrüstungfür die Seefahrt beschäftigt [129]; man warb Dolmet-scher [130], kaufte Lebensmittel, Geräte, Pilgerbüchlein [131],Schreibzeuge [132], Kleider und Schuhwerk, besorgte sichArzeneien [133], Wechsel und kleinere Geldsorten für dasLand des Bakschische [134].

Sehr vorteilhaft und wichtig war es für die Pilger, nachVenedig Empfehlungsbriefe an den Dogen und Senat zubesitzen oder auch an die Gesandtschaft ihres Landes [135];durch deren Vermittelung empfingen sie wieder Empfehlungs-schreiben an die venetianischen Admiräle und Konsuln inder Levante [136], doch wurde ein Empfehlungsschreibendes Dogen gegen Ende des 16. Jahrhunderts wenig begehrt,da das Ansehen der Republik im Orient schon zu sehr ge-sunken war [137]. Manchmal brachte der Pilger auch direktaus der Heimat ein Empfehlungsschreiben für das Zielseiner Reise mit [138].

Wenn nun endlich der langersehnte Tag der Abfahrtgekommen war, schärfte der Patron seinen Matrosen dieSchiffsartikel [139J mit ihren schweren Strafen ein und liefsdie Pilgerfahne, weifs mit rotem Kreuz, die Fahne desSan Marco, einen roten Löwen in weifsem Felde, das päpst-liche Banner, einen grünen Eichenlaubzweig mit goldenen