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Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande
Entstehung
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Vordergrund; Belon und Rauchwolf treiben naturwissen-schaftliche Studien, Justus Tenellus [27] und WilhelmPostel [28] suchen im Auftrage des Königs Franz I. für diePariser Bibliothek Handschriften zu erwerben. Ja selbsteinzelnen Adepten [29] begegnen wir, welche bei den Ere-miten und Weisen des Morgenlandes die geheimen Wissen-schaften noch gründlicher zu erlernen hofften. Endlichfinden wir auch viele Kauf leute; in allen gröfseren See- undBinnenstädten der ganzen Levante sind Comptoire und Fak-toreien der grofsen Handlungshäuser Oberitaliens, Südfrank-reichs, Spaniens, Deutschlands und seit dem Ende des16. Jahrhunderts auch Englands und Hollands [30]. Vielevon ihnen finden wir unter den Pilgern in Jerusalem, oderals deren Helfer und Berater; sie retten diese oft aus schwe-ren Verwicklungen und Gefahren, zuweilen aus der Ge-fangenschaft, und werden ihnen nicht weniger unentbehrlichals die Johanniter von Rhodus und Malta.

Wie stellte sich aber die Kurie zu den Pilgerreisen?

Wir wissen, dafs die Wallfahrt, die grofse nach Jeru-salem, Santiago und Rom, wie die kleine nach einem imeigenen Lande Hegenden Gnadenorte, von der Kirche schonsehr früh als Bufse auferlegt [31] und seit dem 13. Jahr-hundert von Totschlägern auch durch die weltliche Gerichts-barkeit verlangt wurde, aber die letztere verzichtete schonim 14. und 15. Jahrhundert auf die Leistung einer grofsenWallfahrt und begnügte sich mit der Forderung der kleinen,die jedoch öfter wiederholt werden mufste [32]. Allmählichward man noch milder; der adlige Herr konnte auch einenDienstmann oder Geistlichen mit dem nötigen Reisegeldeausstatten und an den Gnadenort für sich senden, undschliefslich bildeten sich sogar Weltbrüderschaften [33], ein-zelne Zünfte von stellvertretenden Pilgern, in DeutschlandSonnweger genannt, welche sich bald sehr stark vermehrten,da sie fanden, dafs die Spekulation auf die Mildthätigkeitfrommer Christen einträglicher und bequemer als recht-schaffene Arbeit sei.

Auch die Kirche schien die Forderung der grofsen Wall-