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Theodor Mintrop : ein Blatt der Erinnerung
Entstehung
Seite
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Brust, die kaum Raum hatte für alle die Seligkeit. Die verlebtendreißig Jahre fühlte er nicht; wie neugeboren trat er mit jenerZeit in's junge Dasein. Es war natürlich, daß er die Anfängeder Kunst, die jedem Akademiker unerläßlich sind, im Fluge über-wand; ihn genirte es nicht, daß er als ein Mann zwischen Schü-lern saß, die eben dem Knabenalter entwachsen waren, und seinangestrengter Fleiß ließ sie auch bald weit hinter sich zurück. Di-rector von Schadow, seine Lehrer, seine Genossen gewannenihn lieb; sein eigentlicher Unterweiser Carl Sohn widmete ihmseine besondere Sorgfalt und in dem unzertrennlichen Zusammen-leben mit seinem Beschützer Geselschap, der längst sein Freundgeworden war, erschloß sich ihm außer der Kunst manches Schöneund Nothwendige; doch ob er gleich bald ein gefeierter Gast derfeinsten Kreise wurde, immer blieb er das reine, anspruchslose, abergemüthstiefe und darum allgeliebte Menschenkind.Wohl wurde ihm die Bewältigung der Farben nicht leichtwie schnell er auch mit der Kohle, mit dem Stift jede Schwierigkeitüberwand, doch nach ein paar Jahren hatte er die Klassen hintersich und triumphirend bezog er sein eigenes Atelier. Sein erstesOelbild war eine Madonna mit dem Christuskinde und Johannes,welches, vom Kunstverein für Rheinland und Westfalen angekauft,der städtischen Galerie in Düsseldorf überwiesen wurde. Der jungeKünstler wollte der Himmelskönigin damit gleichsam ein Dankopferdarbringen und zugleich seinem tiefreligiösen Gefühle genügen. DasBild ist von einer ergreifenden Innigkeit; das Colorit nicht blen-dend, aber Zeichnung und Ausdruck in allen Theilen von einerhohen Reinheit getragen und verklärt. Das zweite Werk war eineZeichnung, das durch den Kupferstecher H. Nüsser so vortrefflich,wiedergebeneEngelständchen, worauf er sich alsdann zu einemzweiten Oelbilde sammelte, das er gewiß mit einer Liebe begonnenund vollendete, wie er sie später kaum noch einzusetzen hatte. Eswar wiederum eine Madonna, bestimmt als Altarbild für die Pfarr-kirche seiner Heimath. Die Aufstellung des Bildes gestaltete sich zueinem Feste für die ganze Umgegend; der Künstler aber hatte nurden einen wehmüthigen Gedanken, daß seine Eltern diesen Siegnicht erlebt hatten.Von zwei Madonnen also in die Kunst eingeführt, entstandenhierauf in einer reichen Folge die lieblichsten Compositionen vollAnmuth und Geist, oder solche voll hoher Würde und großartigerDarstellung. Wir wollen hier nur die vorzüglichsten derselben