Druckschrift 
Theodor Mintrop : ein Blatt der Erinnerung
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10wurde er schon seit einigen Minuten von einem Fremden beobach-tet, der in Begleitung eines großen Hundes am Wege stand. DerMann wußte, daß er den, den er suchte, gefunden hatte, und derSuchende war der Maler Eduard Geselschap. Auf einemAusfluge von Düsseldorf nach der Ruhr hatte er zufällig von demseltsamen Genie gehört und wollte sich nun von der Wahrheit überzeugen. Er redete den jungen Bauer freundlich an, ging frischwegauf das Ziel los und war sogleich von dem offenen Wesen desNaturmenschen eingenommen. Mintrop übergab sein Gespann derObhut eines Knechtes vom Hofe und ging mit dem Fremden, umihm seine Zeichnungen zu zeigen. Wie staunte der Maler, als erdie Blätter sah, er hätte sich vor dem schlichten Landmanne beugenmögen. Statt der erwarteten Pferde=, Baum= und Häusergruppensah er den Bau der Schönheit, die aufknospende Blume des Gei-stes. Da war ein Reigen nackter Kinder, zwei Männer, ohne Ge-wandung, die sich Freundschaft schwuren, und vor Allem ein Blatt,auf dem, um dem Zeichner einen Einblick zu gewähren, der heiligeLudgerus in demüthiger Haltung stand, die Füße in schweren Holzschuhen, einen Vorhang haltend, hinter dem man die heilige Cäciliamit ihren musicirenden Engeln erblickte, welche der Gottesmutterihren Lobgesang darbrachten.Das war genug für den Kenner. Seine Frage, ob der Schöpferdieser Blätter in Düsseldorf Maler werden wollte, wurde mit demAusspruch beantwortet:Ich wäre der glücklichste Mensch!, wasgenugsam den heißen Drang nach den Quellen der Kunst zu er-kennen gab, und bewies, wie sich der edle Mann nur mit Gewaltin seinem Stande behauptete. Was die Freude Geselschap's dämpfte,war die Erklärung Mintrop's, daß er arm und mittellos sei, und auchderHofbauer stellte nur eine zeitweise Unterstützung an Victua-lien und Taschengeld in Aussicht. Den Andern entmuthigte diesesindessen nicht ganz; unter dem Versprechen, bald von sich hören zulassen, eilte er mit den Zeichnungen nach Düsseldorf und hier zudem Meister und Direktor W. v. Schadow, der ein solches Talentbewunderte, aber mit den Professoren das Alter und somit diefragliche Bildungsfähigkeit Mintrop's dem Verlangen um Aufnahmein die Akademie entgegensetzte. Geselschap aber ruhte nicht, bis erAlle gewonnen hatte und sogar die Gewährung eines Stipendiumsfür einige Jahre in Aussicht stand.Wenige Wochen später hielt der neue Kunstjünger seinen Ein-zug in die Musenstadt und Freude und Jubel wohnten in seiner