Druckschrift 
Theodor Mintrop : ein Blatt der Erinnerung
Entstehung
Seite
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im Hamlet, Macbeth und Lear und ein neues Feuer der Offen-barung flammte auf in seinem ganzen Wesen. Bis tief in dieNacht las er den Seinen vor, den Mägden am Spinnrad stockteder Athem, den Männern versagte der Brand der Pfeife, denn indem Vortrage des begeisterten Lesers nahmen die Gestalten Fleischund Bein an, die Jeder deutlich zu sehen vermeinte.So gingen Jahre vorüber; was Sehnsucht im Stillen in demgeweihten Menschenkinde verzehrte, das ersetzte die kräftigende länd-liche Beschäftigung und die heilend wirkende Natur. Schon warer einalter Knecht geworden und wenn er auch seine Uebungenfortsetzte, die sich bereits zu geistvollen Compositionen gestaltetenso brannte doch in ihm das Feuer der Hoffnung, wirklich einmalein Künstler zu werden, schon langsam zu einem Aschenhäufchenzusammen. Das Gefühl der Besitzlosigkeit und Abhängigkeit konnteihm die Zukunft nicht lieblich zeigen; er sah sich vielmehr miteinem vergeblichen bessern Ringen am Ende eines müden Lebensauf derLeibzucht, wie er als Knabe das Beispiel an Anderngehabt. Vater und Mutter waren bereits gestorben; der ersterehatte ihn allein begriffen, die letztere ihn und er sie so innigst ge-liebt, und doch hatte er ihnen an seinem eignen Heerde keineBlume der Freude zu bieten vermocht. Aber Niemand merkte ihmdiese Verlassenheit seiner selbst im Geringsten an; muthig ging ermit seinen Thieren täglich an die Arbeit und wohl nur der Ein-samkeit hat er vertraut, was er in sich fühlte und resignirt aufgab. Und doch gerade in dieser Zeit kam für ihn die Erlösung.Es war im October 1844. Die Natur rüstete sich in ihrenschönsten Farben zum Sterben. Der Himmel spannte sich blauüber die weite Landschaft, von dem letzten Gold der Sonne herr-licher als je verklärt. Die Wandervögel zogen unter ihren weh-müthigen Abschiedsgrüßen von dannen, und alles Seelenlose hattean dem Tage für einen Menschen eine fühlende und gleich ihmeine trüb gestimmte Seele; dieser Eine war Theodor Mintrop.Er war mit seinem Pfluge auf dem Felde, in der Nähe des Hofesund in die umgestürzten Furchen, unter die breiten Schollen derErde vergrub er wohl manchen schönen Gedanken. Von herrlicherGestalt, trug er sich selbstbewußt in der Fülle der Manneskraft;das Haupt war unbedeckt, von langen, braunen Haaren umwallt.Die schönen Formen des Nackens, der Brust und Arme sprachendurch das Hemd, denn er hatte die Jacke entfernt und nur denHals mit einem leicht geschürzten rothen Tuche umschlungen. So