Juan“ auf der Bühne sah. Ihn hierüber definiren und philoso-phiren zu hören, zählte mit zu dem Bewundernswerthesten, wasman von ihm vernehmen konnte.So kam er nach Beendigung seiner Militärzeit als ein ganzanderer Mensch, doch mit dem unbefleckten reinen Character undder treuen Liebe zu den Seinigen und seiner Heimath, nach 2½Jahren in diese zurück. Sein Vater hatte inzwischen den Hof mitallen seinen Sorgen und Arbeiten dem ältesten Sohne übertragenund sich mit seiner Lebensgefährtin auf die sogenannte „Leibzucht“zurückgezogen. Unserm Mintrop blieb nur die Wahl, entwederden nunmehrigen „Bauer“, seinen ältesten Bruder, als seinenHerrn zu betrachten, oder aber sich anderswo einen Dienst alsKnecht zu suchen. In seiner Heimath gilt nämlich noch das Rechtder Erstgeburt, welches dem ältesten männlichen Sprossen desStammes den Besitz der sämmtlichen Liegenschaft zuspricht, währenddie andern Kinder dem Walten ihres guten oder bösen Sternesüberlassen bleiben und ihren Lebensweg suchen, nicht selten ge-gehemmt von der Fessel, die durch das alte Erbgesetz an Geist undKörper haftet.Schon wenige Tage nach dem Eintreffen auf dem Hofe warMintrop wieder völlig Herr der vormaligen ländlichen Arbeiten.Auch die Kunst trat wieder an ihn heran und die neue Fruchtihrer Nähe war an Stelle des, als Knabe angefertigten Schutz-patrons St. Ludgerus, ein neues Bild dieses Heiligen, an dem erein ganzes Jahr hindurch an den freien Sonntagen arbeitete. DasWerk wurde bewundert und angestaunt und an den „Maler“ traternstlich die Frage heran, ob er sich nicht ganz der Kunst zuwen-den wolle. Wohlmeinende Männer boten ihre Hülfe an, anderejedoch thaten den entscheidenden Ausspruch, daß der zwar talent-volle Mann doch schon zu alt sei zu einem ernsten Studium.Das einige Zeit hindurch geträumte bunte Glück zerfloß vor denAugen des, nach den Quellen der Kunst schmachtenden jungenBauern; mit stiller Wehmuth sah er es schwinden, doch schaffte erruhig weiter, stillte den einmal erwachten mächtigen Trieb zumLesen und Vorlesen und war, wenn auch den Blick auf eine ödeZukunft gerichtet, glücklich in der Welt seiner Ideale. Die meistenGedichte von Schiller wußte er auswendig, Göthe's Faust lebtein Bruchstücken in seinem Kopfe. Da kam er auch endlich zurKenntniß der großen Muse Shakespeare's. Sein ganzes Wesenwurde davon entzündet, er sah und fühlte die Macht des Titanen
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