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Theodor Mintrop : ein Blatt der Erinnerung
Entstehung
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So kam das zwanzigste Lebensjahr, mit ihm die Zeit seinesMilitärdienstes und ein neuer Lebensabschnitt heran. Er wurdeim Jahre 1834 einem Artillerie=Regimente zugetheilt, welches wech-selzeitig in Cöln und Münster Garnison hatte. Auch da bewährteer sich als tüchtig und pflichtgetreu und gewann sich durch seinreines Wesen die Liebe seiner Kameraden, das Vertrauen seinerVorgesetzten. Für ihn selbst war dieses Ablösen von seiner heimi-schen Scholle von unberechenbarem Vortheil; der Wechsel des buntenLebens, die straffe Handhabe eines unbedingten Willens, gabenseinem schon festen Charakter eine noch bestimmtere Festigkeit. Dabeierschloß sich ihm eine neue Welt, in die er bis dahin noch keinenBlick gethan, die Welt der Poesie, das Reich der Dichtung.Zum ersten Male geriethen ihm Schillers Gedichte in die Hand;zeilenweise mußte er sich den neuen Boden erobern; aber als erdas Wunder der Sprache, die Musik des Rhythmus begriff, da zogmit den flammenden Ergüssen des großen Dichters ein Jubel durchseine Seele, der nie verhallte. Er wurde nun ein begeisterter Vor-leser und sein schönes Organ fesselte die rohen Soldaten stunden-lang an seinen Mund. Daß er nach der Bekanntschaft mit Schillerauch die der andern großen Dichter suchte, war bei seiner Wesen-heit zu natürlich. So gossen denn, wenn auch nicht in ihrem ganzenGehalte, Schiller, Göthe, Wieland, Lessing in goldenen Schalen ihreSchätze über ihn aus und er hielt eine reiche Ernte. Was ihn aberzu dem ersteren Dichter immer wieder zurückführte, konnte er sichſelber nicht erklären.In jener Zeit war es auch, wo er durch Zufall der Schönheiteiner plastischen Gestalt in einem Garten gegenüber stand. Es warendie Nachbildungen einer Venus und eines Neptun, die, in weißemMarmor gemeiselt, aus Blumen und frischem Grün hervorschim-merten. Wie gebannt stand er vor dem geschlossenen Gitter, vomSchwunge der Linien namenlos entzückt; solche Schönheit hatte erbis dahin nie geahnt und die weiße Frau mit winkenden Armenwollte seinen Traum, sein Denken lange nicht verlassen. Aus diesemBanne befreite ihn der Anblick von Raphael's Loggien, die ihm baldnachher in schlechtem Holzschnitt in die Hände fielen, und trieb ihnzu einem andern Kampfe. Unverwischlich und gewaltig war derEindruck, den jene Darstellungen bei ihm hervorbrachten. Täglichwar er in in ihren Anblick versunken mit reiner Andacht, wie siereiner Niemand vor dem Allerheiligsten empfindet. In gleicherWeise erfaßte ihn die Musik Mozart's, als er einst die OperDon