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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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337Ludwig XIV. hatte den Bischof von Straßburg, Franz Egon vonFürstenberg, beauftragt, den Gast zu bewillkommnen, was auch geschah.Erst mehrere Tage später, nachdem die Reisenden sich von der beschwer-lichen Winterreise etwas erholt und sich in Bezug auf ihre äußere Er-scheinung kostbar equipirt und genau mit dem Hof=Ceremoniel bekanntgemacht hatten, fand die Vorstellung beim Könige und dem Hofe statt,der damals in St. Germain residirte. Durch den Bischof von Straß-burg und Herrn von Pomponne eingeführt, nahte sich der Prinz mittiefster Ehrerbietung dem Könige und küßte ihm die Hand. Ludwigwar sichtbar erfreut über den Anblick und gewiß noch mehr über dieAnsprache des Prinzen, der dem damals allgewaltigen Herrscher Frank-reichs nicht allein zu den im Laufe des vergangenen Jahres in denNiederlanden erfochtenen Siegen gratulirte, sondern in diese Glück-wünsche auch diejenigen Vortheile mit hineinzog, welche die FranzösischenWaffen unter der Führung Türenne's in Deutschland errungen hatten.Wie mochte es dem stolzen Könige schmeicheln, hier den zukünftigenErben eines deutschen Reichslandes huldigend vor sich zu sehen, dersich und sein Gebiet der Gnade des Siegers empfahl! Der Könignahm die Huldigung des deutschen Fürsten gnädig entgegen, und miteiner gewissen Genugthuung erwähnt der Reisebeschreiber, daß Ludwigden Gast umarmt undsolus cum solo, tectus cum tecto vertraulichsteUnterredung mit demselben gepflogen habe. Dann fand die Vorstellunbei der Königin, beim Dauphin, bei dem Herzog von Orleans undanderen Großen des Hofes statt. Auch sah Johann Wilhelm hier dieHerzogin von Orleans, die bekannte originelle Elisabeth Charlotte vonder Pfalz, seine Stammesverwandte, welche mitten in der sittlichenVersunkenheit des Pariser Hoflebens ihre deutsche Reinheit und Gemüth-lichkeit zu bewahren gewußt hatte und trotz ihres wenig empfehlendenAeußeren von dem Könige sehr bevorzugt und geschätzt wurde, da siedie Einzige war, welche es wagte, ihm in ihrer klaren und deutlichenWeise die Wahrheit zu sagen.Der Aufenthalt Johann Wilhelms in Paris zog sich durch fastzwei Monate hin. Sowohl vom Könige als vom Hofe stets ausge-zeichnet, nahm er an allen Festlichkeiten und Vergnügungen des HofesTheil. Er ergötzte sich an den Tragödien eines Corneille und Racine,so wie an den Comödien Molière's. Nicht weniger bewunderte er diePracht der Opern und der Ballets, und übernahm gelegentlich dervom Hofe im engeren Kreise aufgeführten Schäferspiele mitunter selbsteine Rolle, wo er durch seine Grazie und besonders durch seinen aus-gezeichneten Tanz die Bewunderung erregte. Mit dem damals 14jähri-