328Bei dieser Prüfung finden wir, unter steter Berücksichtigung auchdes confessionellen Standpunktes des betreffenden Schreibers, in demganzen Auftreten Johann Wilhelms die größten Widersprüche zu ver-zeichnen. Bald erblicken wir ihn als fast willenloses Werkzeug seinerLehrer und Erzieher, der Jesuiten, bald als einen von seinem eigenenWerthe ganz durchdrungenen Selbstherrscher. Intolerant und hartgegen seine reformirten Unterthanen in der Pfalz, wo der Schutz fran-zösischer Bayonette ihm die Macht dazu verlieh, tolerant hingegen undnachgiebig in Jülich und Berg, wo die benachbarten Brandenburger inCleve und Mark ihm scharf auf die Finger sahen, wenn er auch hierin seiner Weise gegen die Nichtkatholiken auftreten wollte. Wir sehen,wie er in eiteler Prachtliebe die Einkünfte des vom Kriege schwer heim-gesuchten Landes vergeudet, unbekümmert um den Widerspruch seiner„getreuen Stände“, denen er vorhält, daß sie „bei ihrer insolenter Ein-wendung, besserer gnädigster Zuversicht zuwider, halsstarriger Weisebestehen wollen“, ja daß dieselben „dero Landtsfürstliche autorität undMacht gleichsamb in Zweiffel stellen, wo nicht gar unverantwortlicherWeise verachten“, und die er endlich ganz zu beseitigen droht, wozu er„durch der Landstände unerhörte und unverantwortliche Eigensinnigkeitund Halßstarrigkeit gegen Seinen Willen gezwungen worden.“ Mitvollen Händen vertheilt er Geld und Geschenke an Künstler, derenfreigebigster Mäcen er ist, während die Söldner aus Mangel anSubsistenzmitteln buchstäblich verhungern. Gehorsam, ja fast demüthgegen die Autorität des Kaisers, so lange sein Interesse nicht verletztwurde, aber ebenso widersetzlich gegen Maßregeln Kaiserlicher Organewenn dieselben, nach seiner Ansicht, seiner „Churfürstlichen Praeeminenzallzu nahe kamen“ u. s. w.Nur die Stadt Düsseldorf allein hatte sich stets des größten Wohlwollens des Fürsten zu erfreuen. Für diese seine Haupt= und Residenz-Stadt that er Alles, was in seinen Kräften stand, um sie zu heben undzu derjenigen Stufe des Glanzes zu führen, welche seinen Ansichtenvon der Würde seiner fürstlichen Stellung entsprach. Deshalb war esauch recht und billig, daß in der Inschrift am Fußgestell des oben-erwähnten Standbildes die „grata civitas“ einen Platz erhielt, obgleiches wohl mehr als zweifelhaft ist, daß die Stadt oder die Bürger-schaft dem Fürsten noch zu seinen Lebzeiten einst dieses Denkmaleſetzt habe.Wenn nun ein sorgfältiges Studium der Geschichte Johann Wilhelmsuns denselben als den ausgebildeten Typus eines vollständigen Auto-kraten vorführt, der den bekannten Spruch „l'état c'est moi!“ sich zur
Druckschrift
Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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