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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
117
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Es gilt auch sonst: Wenn einem ein verdächtiger Trunk angeboten wird,so muß man, ehe man trinkt, drei Tropfen auf die Erde gießen; dann bleibtder Zauber ohne Wirkung.

7-

Bei Lahde (an der Weser) geht ein grüner Jäger um, mit einem drei-eckigen Hut und hat auf jedem Timpen ein Licht. Ein Schuster, der sichvor nichts fürchtet, kommt in einer dunklen Nacht über Feld und stößt aufeinen Pflug, hinter dem etwas liegt. »Wän hat de düwel denn dar?« sagtder Schuster; da steht der grüne Jäger vor ihm und geht immer dicht nebendem Schuster her. Wenn er ihm gar zu nahe an den Ellenbogen kommt,so sagt der Schuster barsch: »No!« Dann geht der Grüne weg, drückt sichaber gleich wieder heran. »No!« sagt der Schuster wieder, und zuletzt hängtihm an jedem Haar ein Schweißtropfen. Als endlich der Tag graut, ist derSpuk verschwunden. Der Schuster aber ist ganz irre gegangen und zuletztin den Tannen bei Windheim vor Müdigkeit niedergesunken. Da haben ihnam Morgen die Leute gefunden. Er hat nicht wieder gelacht und war nachwenigen Tagen todt. (Diese Geschichte ist vor etwa 16 Jahren passirt. DenSonntag darauf hat der Pastor davon auf der Kanzel gepredigt und gesagt, dieMenschen hätten in diesem Leben mit allerlei bösen Geistern zu kämpfen.)

8.

Eine Frau wollte noch spät am Abend nach ihrem Dorfe zurück, und,weil es dunkel war, so folgte sie einem Flämmchen nach, welches sie für einLaternenlicht hielt. Aber bald sah sie zu ihrem Schrecken, daß sie in einenSumpf gerieth und dicht bei dem verrufenen Tannengebüsch war, wo sichvor Jahren Einer erschossen hatte. Das Flämmchen war verschwunden, undplötzlich fielen in den Tannen drei Schüsse, und dicht vor ihr fuhr mit lautemGelächter ein Feuerklumpen in die Höhe, so groß wie ein eiserner Kochtopf.Mit großer Mühe erreichte die Frau das Dorf, als es schon heller Tag war.

9-

In Lahde starb ein Mann, der konnte im Grabe keine Ruhe finden.Des Nachts kam er wieder und leuchtete mit dem Krüsel in der Stube an derBrandmauer herum und ging dann still wieder weg. Weil nun die Leute imHause gar nicht wußten, was ihm auf dem Herzen lag, sich auch fürchteten,ihn zur Rede zu stellen, so gingen sie zum Pastor und baten ihn, in derStube eine Nacht zu wachen und den Geist anzusprechen. Spät am Abendkam der Pastor an, setzte sich dem Ofen gegenüber an einen Tisch, legteseine Bücher vor sich hin und zündete drei Lichter an. Die Leute gingenzu Bett. Da nun die Uhr an der Wand zwölfe schlug, trat der Geist herein,

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