Druckschrift 
Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

Winde wehten; und als er auf das Feld kam, wo die Heere an einander waren,that er drei Kreuzhiebe mit seinem Schwerte, da lagen gleich dreimal hundert-tausend Feinde erschlagen, die andern flohen. So war an diesem Tage dieSchlacht für den König gewonnen. Da rief der König: »Nun bringt mir denReuter mit dem Goldhaar her, daß ich sehe, wer er ist und ihn belohnenkann, denn er allein hat uns den Sieg erstritten!« Er war aber nirgendsmehr zu finden; denn Friedrich, nachdem die Schlacht entschieden, war sogleichwieder davon geritten. Er brachte den Schimmel wieder in die hohle Eiche,legte die blanke Rüstung ab und umwand seinen Kopf mit dem Tuche; darnachging er an den Strom und haute mit dem Schwerte ins Wasser und sprachdabei in einem fort: »Einen erhauen, Einen erstochen; Einen erhauen, Einenerstochen!«

Da nun das Heer, des Sieges froh, mit voller Musik stromab den Heimwegzog und die Soldaten den Friedrich an dem Strome sitzen sahen, sprachen sieuntereinander: »Seht! da sitzt Grindhans, des Königs Schwiegersohn!« Alssie aber vorüber waren, brachte Friedrich dem Schimmel das Schwert zurück.Da sprach der Schimmel: »Morgen früh komm wieder und thu, wie du heutegethan hast, denn es wird noch eine zweite Schlacht zu schlagen sein, weildes Königs Feinde sich wieder gesammelt haben.« Es kam auch, wie derSchimmel gesagt hatte.

Den andern Morgen zog der König mit seinem Heere den Strom hinauf,und die Soldaten hatten über Friedrich ihren Spott und sprachen unter einander:»Seht! da sitzt der Grindhans, des Königs Schwiegersohn!« Er aber wartete,bis sie vorüber waren; dann rüstete er sich, schwang sich in den Sattel undjagte ihnen nach in vollem Galopp, daß seine goldenen Locken im Windewallten. Es war auch die höchste Zeit, daß er auf dem Schlachtfelde ankam,denn schon war des Königs Heer im Weichen. Da schwang er rasch seinSchwert und that diesmal fünf Kreuzhiebe, da lagen fünfmal hunderttausendFeinde erschlagen und waren alle todt bis auf den letzten Mann.

Es hatte aber der König diesmal den Befehl gegeben, wenn der Reutermit dem Goldhaar wiederkäme, daß man ihn um jeden Preis anhalten, oder,wenn er entflöhe, auf ihn schießen sollte, so groß war des Königs Verlangen,zu wissen, wer er war und woher er käme. Da nun Friedrich, als der Siegentschieden, rasch davon jagte, und die Soldaten sahen, daß sie ihn nichtfangen konnten, gaben sie Feuer; er entkam aber glücklich; nur eine Kugelschrammte ihm das Bein.

Nachdem er nun in der hohlen Eiche seinen Waffenschmuck wiederabgelegt und sein Haar mit dem Tuche umwunden hatte, setzte er sich andas Wasser; und als das Heer nun unter voller Musik den Strom hinabmarschierte, sprachen die Soldaten spottend: »Seht! da sitzt Grindhans, desKönigs Schwiegersohn!« Er aber kehrte sich nicht daran, sondern brachte,

103