das graue Männchen, das ist schon ganz dicht hinter uns!« »So wirf schnell denKamm zurück!« Friedrich that es und alsbald wurde daraus ein langer tieferGraben, den mußte das Männchen erst umgehen, eh es weiter konnte. Aberes dauerte nicht lange, da rief der Schimmel wieder: »Friedrich, sieh dichmal um, ob auch wer kommt!« »O weh«, sprach Friedrich; »ich sehe dasgraue Männchen, das ist schon wieder ganz nahe hinter uns.« »So wirfschnell die Bürste zurück!« Friedrich that es; und sogleich entstand darausein dichter, ganz mit Dorngebüsch durchwachsener Wald, da mußte dasMännchen erst mit Mühe hindurch, ehe es weiter konnte. Aber es dauertenicht lange, als der Schimmel zum dritten Male rief: »Friedrich, sieh dichmal um, ob auch wer kommt!« »O weh«, sprach Friedrich, »ich sehe dasgraue Männchen, das ist schon wieder ganz nahe hinter uns.« »So wirfschnell den Staublappen zurück!« Kaum war es geschehen, so entstanddaraus ein großes, großes Wasser, das war so tief und gingen so hoheWellen darauf, daß das Männlein nicht hinüber konnte und verdrießlichwieder nach Hause lief.
Friedrich ritt nun gemächlich weiter; und als er gegen Abend über einenHügel kam, sah er auf einmal vor sich in der Ebene ausgebreitet eine prächtigeStadt, deren Thürme glänzten weithin von den Strahlen der rothen Abend-sonne. Es war das aber die Stadt, wo der König Hof hielt. Nun standnicht weit vom Wege ab ein großer hohler Eichbaum, als den der Schimmelsah, sprach er: »Ich will hier in dem hohlen Baume bleiben; du aber gehhin an den königlichen Hof und vermiethe dich als Küchenjunge; alle vier-zehn Tage mußt du aber kommen und mir ein Pfund Brod bringen.« Soblieb der Schimmel in der hohlen Eiche; Friedrich aber ging an den könig-lichen Hof und fragte den König, ob er nicht einen Küchenjungen gebrauchenkönnte. »Du kommst mir recht,« sprach der König; »einen Küchenjungen habeich gerade nöthig. Aber was heißt denn das? Du hast ja deinen Kopfund deine Hände verbunden.« »Mit Verlaub, Herr König! Ich habe einenbösen Grind.« Sprach der König: »So kann ich dich nur unter der Bedingungin meine Dienste nehmen, daß du des Nachts bei dem Vieh im Stalle liegst.«Friedrich war damit zufrieden und wurde nun des Königs Küchenjunge; dasGesinde aber nannte ihn nicht anders als den Grindhans, darum, daß erKopf und Hände stets verbunden trug.
Nach vierzehn Tagen ging er zu der hohlen Eiche und brachte demSchimmel ein Pfund Brod. Da fragte der Schimmel: »Nun, Friedrich, wie ge-fällt dir dein Dienst?« »Ach, schlecht,« entgegnete er; »sie schelten mich immerGrindhans, und dann muß ich auch bei dem Vieh im Stalle schlafen.« Sprachder Schimmel: »So geh hin zu dem Gärtner, der dicht neben des KönigsSchlosse wohnt, bei dem verdinge dich als Gärtnerbursch. Hier nimm diesedrei Büchsen voll Samen, wenn du den ausstreust, so werden daraus die