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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
98
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stieg er wieder zu seinem Herrn in den Wagen und fort gings wie derWind, daß den vier Hengsten die Mähnen sausten.

Wohl eine Stunde mochten sie so gefahren sein, da ließ der Herr zumvierten Male halten. »Friedrich!« sprach er wieder; »sieh mal hinaus!« »JaHerr!« »Friedrich», was siehst du denn nun?« »O Herr, ich sehe nichtweit von hier ein Schloß, das ist so erbärmlich schlecht, wie ich in meinemganzen Leben noch keins gesehen habe.« »Das ist aber gerade das Schloß,mein lieber Friedrich, wo du die sieben Jahre dienen mußt. Jetzt nimm diedrei Braten, die wirst du gut gebrauchen können; denn um auf das Schloßzu kommen, mußt du durch drei Pforten; vor der ersten liegt ein Löwe, vorder zweiten ein Bär, vor der dritten ein Wildschwein; dem Löwen gibst duden Hammelbraten, dem Bären den Gänsebraten und dem Wildschwein denSchweinsbraten, so werden sie dich frei passiren lassen; in dem Schlosseaber wirst du Einen finden, der wird dir deine Arbeit geben. Leb wohl,Friedrich und halt dich gut!« Friedrich stieg aus, wie ihm sein Herrbefohlen und fort rollte der Wagen wie der Wind, daß den vier Hengstendie Mähnen sausten.

Als Friedrich nun auf das Schloß wollte, so lag vor der ersten Pforteein Löwe, dem gab er den Hammelbraten; vor der zweiten Pforte lag einBär, dem gab er den Gänsebraten, vor der dritten Pforte aber lag ein Wild-schwein, dem warf er den Schweinsbraten hin; da ließen ihn die Thiere freiin das Schloß hinein. Kaum war er eingetreten, so kam ihm gleich eingraues Männchen entgegen. »Sieh! Friedrich! Bist du da?« sprach dasMännchen; »aufdich habe ich schon lange gewartet. Nun merk auf! Hierhast du ein kleines Stöckchen, damit kannst du dir das nöthige Essen schaffen.In meinem Stalle steht sodann ein Schimmel und ein Esel; dem Schimmelgiebst du Aas zu fressen, dem Esel Heu; thust du aber anders und giebstdem Schimmel Heu und dem Esel das Aas, so mußt du sterben. Fernersiehst du da im Hofe zwei Brunnen; aus dem einen, der offen ist, kannst dutrinken und auch dem Vieh daraus zu saufen geben, der andere ist mit einerFallthüre verschlossen, da darfst du aber niemals hineinsehen; thust du's doch,so mußt du sterben. Noch eins! Merke dir diese Zimmerthür; läßt du dirjemals einfallen, sie auf zu machen, so mußt du sterben. Nun weißt duwas du zu thun und wie du dich in deinen sieben Dienstjahren zu verhaltenhast. Adieu!« Damit ging das Männchen fort.

Friedrich trat nun seinen Dienst an, fütterte zur rechten Zeit den Schimmelmit Aas und den Esel mit Heu und tränkte sie aus dem offenen Brunnen,wie das Männlein ihm geboten hatte. Mit Hülfe seines Stöckleins wünschteer sich Essen herbei, so viel er mochte; hüthete sich auch wohl in den ver-verdeckten Brunnen zu sehen oder das verbotene Zimmer aufzumachen. Sovergingen drei Jahre. Nun hatte er aber, da er so plötzlich von Haus fort-