herausreichen.« »Nein,« sagte Hans; »mein Herr hat gesagt, ich sollte nochden Backofen heizen, daß Brot gebacken würde.« Nun mußte die Frau wohlaufmachen; der Knecht aber nahm ein Bund Stroh, schob es in den Ofen undwollte es anzünden. Da schrie der Pastor, der in dem Ofen saß: »Laß michdoch erst heraus, laß mich doch erst heraus!« »Nicht anders,« sprach Hans,»als wenn du mir hundert Thaler geben willst.« »Ach ja, ach ja!« schrie derPastor; »die will ich dir ja gerne geben, nur laß mich aus dem Ofen heraus.«Da ließ ihn Hans aus dem Ofen steigen und nahm die hundert Thaler inEmpfang; dann ging er hin und brachte seinem Herrn die Barte. Von demGelde sagte er aber diesmal nichts, sondern behielt die hundert Thaler für sich allein.
Den Abend ging der Bauer wieder ins Wirthshaus. Hans blieb aber daheimund horchte an der Küchenthür, denn der Pastor war wieder zu des BauernFrau gegangen. Sprach der Pastor: »Das ist mir aber heute morgen wiederein verdammt theurer Spaß geworden.« «Ja,« sprach die Frau, »der Hans hatseine Nase überall; wir müssen es jetzt anders anfangen, denn hier im Hauseist es nicht mehr sicher; darum so geht morgen früh zu Eurem Acker vordem Walde, wo Euer Knecht pflügt, dann will ich Euch eine gute Suppe unddem Knecht ein schönes Butterbrod mit Fleisch bringen; mein Mann gehtauch zum Pflügen, aber weit davon, so daß er unmöglich etwas merken kann.«Hans, der wieder alles gehört hatte, was die beiden miteinander verabredeten,schlich sich leise fort und that, als wenn er von nichts was wüßte.
Als nun am folgenden Morgen der Hans mit seinem Herrn in das Feldzog, sprach er zu ihm: »Wißt ihr was, Herr; laßt uns heute nur den Ackerpflügen, der vor dem Walde neben des Pastors Lande liegt.« Das war derBauer zufrieden; und als sie hinkamen, so war der Pastor mit seinem Knechteauch da und ließ seinen Acker pflügen, der neben des Bauers Acker lag.
Zur Frühstückszeit kam dem Bauer seine Frau dahergegangen und wolltedem Pastor die schöne Suppe bringen. Da sprach der Knecht Hans zu seinemHerrn: »Seht, Herr, da kommt unsere Frau mit dem Morgenbrode,« und dakonnte sie nicht anders, sie mußte die Suppe und das schöne Butterbrod ihremManne und dem Knechte Hans bringen. »Frau,« sagte der Bauer, »das istdoch recht schön von dir, daß du uns ein so gutes Morgenbrod auf das Feldbringst.« »Ja«, sprach sie da und that ganz freundlich; »ich dachte, ihr würdethier draußen wohl frieren, und da habe ich gedacht, ich wollte euch mal rechtwas zu gute thun.« Währenddem, daß nun der Bauer seine Suppe aß, gingHans zu dem Pastor, der aus der Ferne ganz verdrießlich zusah, und bei jedemSchritte ließ er von seinem Butterbrode ein Stück auf den Boden fallen. Nach-dem er dem Pastor einen guten Morgen gewünscht hatte, ging er wiederzurück zu seinem Herrn, dem sagte er leise, daß es die Frau nicht hörenkonnte, ins Ohr: »Der Herr Pastor hat gesagt, Ihr solltet doch mal zu ihmhinkommen.« Der Bauer wischte sein Maul und wollte hingehen, und wie
66