hereinkommen und die neue Braut sehen wollte. Wie sie nun hereintrat,saß da neben dem König eine junge schöne Prinzessin und auch ein jungerPrinz. Da sprach der König: »Das ist meine Braut; nun sag, Isabelle, wiegefällt sie dir?« »O, sehr gut,« sagte sie; aber bei den Worten brach ihrSchmerz hervor, daß sie bitterlich weinen mußte. »Weine nicht, Isabelle,«sprach der König und faßte sie bei der Hand; »sieh! die da sitzt, ist nichtmeine Braut, sondern unsere Tochter, und da ist auch unser Sohn; sie sindnicht todt, wie du geglaubt hast, sondern gesund und wohl; deine Prüfungs-zeit ist aus, und nun sollst du wieder frohe Tage haben.« Da sind die Kinderihrer Mutter um den Hals gefallen und alle haben sie angefangen zu weinenvor lauter Freude. Der König aber und die Königin haben noch einmalHochzeit gehalten und haben glücklich zusammengelebt bis an ihr Ende.
10. Die bestrafte Hexe.
Es ist einmal eine rechte alte Hexe gewesen, die hatte zwei Töchter,eine rechte Tochter und eine Stieftochter, und die Stieftochter war schonund gut, die rechte Tochter aber boshaft und häßlich. Da kam ein jungerJäger, nahm die Stieftochter zur Frau, weil sie ihm gut gefiel und zog mitihr in sein Haus, das im Walde lag. Die alte Hexe stellte sich dazu ganzfreundlich; in ihrem Herzen wußte sie sich aber vor Arger und Bosheit nichtzu lassen, darum, daß der Jäger ihre eigene Tochter nicht genommen hatte,sondern die Stieftochter, die sie gar nicht leiden konnte.
Über eine Zeit kriegte die Jägersfrau einen kleinen Jungen und mußtezu Bett liegen. Da wurde die Stiefmutter geholt, daß sie das Kind wüscheund anzöge, auch die Suppe kochte und sonst zur Hand wäre, wenn diekranke Frau ihrer bedürfen sollte. Der Jäger aber hatte zur Erheiterung undKurzweil seiner Frau allerlei Vögel in die Stube gebracht, die sangen, undein Spiel hatte er gemacht von allerlei Glocken, die klangen. _
Dicht an dem Hause lag ein großer Teich, auf dem viele Entenschwammen. Nun stand eines Tages die Stiefmutter am offenen Fensterund sah auf den Teich hinaus, und weil des Jägers Frau schon wieder aufBesserung war und zuweilen aufstehen konnte, rief ihr die Hexe zu. »Stehdoch auf, mein Kind, und sieh einmal die vielen Enten, die da auf dem Teicheschwimmen.« Ohne an Arges zu denken, stand d>e Frau auf und lehntesich aus dem Fenster, und indem, so gab ihr das boshafte Weib einen hef-tigen Stoß, daß sie hinab in den Teich stürzte, und verwünschte sie in eineEnte; da schwamm sie nun mit den anderen Enten au dem Teiche herum.Ihr Kind aber fing an zu weinen, und ihren Mann befiel zu derselben Stundeeine große Traurigkeit und wußte doch nicht warum; die Vögel sangen nicht,die Glocken klangen nicht. Da nahm die Hexe ihre eigene Tochter, legte
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