natte, daß es alles so kommen würde. Sprach darauf der König: »Wenn Eureiocnter wirklich so klug ist, wie Ihr sagt, so möchte ich sie wohl sehenund auf die Probe stellen.« Und sogleich sandte er seine Diener aus undließ sie rufen.
Als Isabelle nun vor den König kam, redete er sie an und sprach: »Ichhabe viel von deiner Klugheit reden hören, darum will ich dir jetzt eine Auf-gabe stellen, du sollst zu mir auf mein Schloß kommen; nicht nackt und nichtbekleidet, nicht gegangen und nicht geritten, nicht zu Pferde und nicht zuWagen, nicht bei Tage und nicht bei Nacht; wenn du das kannst, so willich dich zur Frau nehmen und sollst die Königin sein.« Da hat das Mädchengesagt: ja, das wollte sie wohl können und ist fortgegangen.
Den nächsten Mittwoch nahm sie ein Fischnetz, da kroch sie splitternackthinein, band es einem Esel an den Sattel, doch so, daß sie eben mit dengroßen Zehen den Boden streifte und ließ sich hintragen zu des KönigsSchlosse; so kam sie denn an: nicht nackt und nicht bekleidet, nicht gegangenu nd nicht geritten, nicht zu Pferde und nicht zu Wagen, nicht bei Tage undnicht bei Nacht, denn es war an einem Mittwoch*) morgen. Als das der Königsa h, verwunderte er sich zum höchsten über ihre Klugheit und sprach: »IchWill dich nun zu meiner Frau annehmen; nur eins muß ich mir zuvor nochausbedingen, daß du mit allem zufrieden bist, was ich thue, es mag sein, wase s will; solltest du aber jemals dawider sein, so werde ich dich aus meinemHause verstoßen.« Das mußte sie dem Könige versprechen; der nahm siedann zur Frau.
Eine Zeit darnach kriegte die Königin ein kleines Kind, das war einMädchen. Da sprach der König: »Ich will das Kind von der Welt schaffenlassen; wir haben doch nur Last davon.« Da bebte der Königin das Herzm der Brust vor Schrecken, aber doch blieb sie ihrem Versprechen getreuund antwortete: »Wenn Ihr es wollt, Herr, so bin ich zufrieden.« So ließdenn der König das Kind von seinen Dienern hinwegtragen.
Es verging eine Zeit, da kriegte die Königin ein zweites Kind, das warei n Knabe; und wieder sprach der König: »Ich will das Kind von der Weltschaffen, wir haben doch nur Last davon.« »Wenn es Euer Wille ist, Herr,so bin ich zufrieden«, sagte Isabelle, ob es ihr gleich an die Seele ging, daßS1 e sich von ihrem lieben, unschuldigen Kinde scheiden sollte. So ließ esdenn der König durch seine Diener hinwegtragen. Die Zeit verging, aberdie Königin kriegte nun keine Kinder mehr; sie verschloß ihre Traurigkeitm der Brust, ohne jemals gegen den König zu murren.
Nun trug es sich einstmals zu, daß ein Bauer mit seiner Mähre überFeld zog, und als er zu eines andern Bauern Hofe kam, wo er Geschäfte
*) Plattdeutsches Sprichwort: middewiäken is näin dag.